Gedanken zum Sonntag

Unter den „Gedanken zum Sonntag“ finden Sie die Predigten und Ansprachen aus den Gottesdiensten in der Heilig-Geist Kirche, Burghausen zum Nachlesen und Herunterladen.

01.10.2017, Was meint ihr?
Phil 2,1-11; Mt 21,28-32
Predigt
Was meint ihr?
Phil 2,1-11; Mt 21,28-32
01. Oktober 2017

Wer die Frage stellt: „Was meint ihr?“, der will die Auseinandersetzung, der liebt auch die Provokation, der drängt zur Entscheidung. Wie auch immer: er ruft die Erfahrung der Zuhörer ab, er nimmt sie ernst. Was meint ihr? Die-se Frage verbindet Jesus mit der Schilderung einer alltäglichen Situation, wie sie jeder kennt, sei es aus eigener Erfahrung, sei es durch Beobachtung.

1. Widerstand und Ergebung - später
Vergegenwärtigen wir uns die erzählte Szene noch einmal. Da sind die zwei Söhne, und der Vater ist fest entschlossen: die sollen im Weinberg ar-beiten. Der Vater gerät an den ersten, und der erweist sich als Musterkna-be: „Ich gehe hin“, und „Herr“ nennt er den Vater obendrein. Das ist schön gesagt und hört sich gut an, aber wir ahnen die Tücke: „Und nicht ging er hin“. Also, verehrter Zuhörer, wenn du gemeint hättest, in der Geschichte hört sich das ja schön an: „Ich gehe hin, Herr“ aber ich kenne andere Bei-spiele, und wie war es denn bei uns daheim oder wie ist es bei uns daheim? Aufs Wort gehorchen, wo gibt´s denn das? Also da mag es dich, lieber Zu-hörer, dann doch „trösten“: der erste Sohn, er „tat“ zwar schön, aber getan hat er nichts. Schöne Worte, durch kein Tun gedeckt. – Der Vater sagt zum zweiten Sohn dasselbe. Der holt tief Luft, dann gibt er heraus und gibt ei-nen negativen Bescheid: „Nicht will ich“. Protest, Ablehnung, Verweige-rung, mit einem Wort: Widerstand. Er hatte aber offensichtlich die Mög-lichkeit, seine Meinung zu ändern. Darin liegt wohl ein entscheidender Punkt. Nachdem er sich die Freiheit zum Nein-Sagen genommen hatte, er-griff er die Freiheit zur Reue, zur Änderung, zur Umkehr. „Später“ heißt es, und dieses „später“ kann unter Umständen einen langen Zeitraum meinen.

2. Wort und Tat
Jetzt wiederholt Jesus noch einmal sein eingangs formuliertes: „Was meint ihr?“, indem er fragt: „Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters er-füllt?“ Die Zuhörer antworten: „Der zweite“. Klingt gut und richtig und was ist daran überhaupt erwähnenswert? Bedenken wir: Die da zuhören, das sind die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes, die religiösen und die weltlichen Autoritäten. Das Ganze ist einem Generalangriff Jesu ihnen ge-genüber ähnlich: Ihr redet schön, und was tut ihr? Ihr sagt Ja und meint Nein! Ihr nennt mich Herr und es ist nichts dahinter! Ihr plappert drauf los und kapiert nicht, dass es ernst ist! Indem die zuhörenden Hohenpriester und Ältesten des Volkes die richtige Antwort geben: „Der zweite hat den Willen seines Vaters erfüllt“, sprechen sie sich selbst das Urteil. Ihre Worte sind hohl und leer und eitel. Sie waren damals auch zur Taufe des Johannes am Jordan gegangen, aber es kam zu keiner Änderung ihres Lebens. Sie lernten nicht, Wort und Tat in Deckung zu bringen, zum Umdenken, zur Umkehr, zur Reue fanden sie nicht. So führen sie ein abgehobenes Dasein und begreifen nicht den Ernst des Lebens, sie sind nicht auf dem rechten Weg.

3. Jesus – der wahre Mensch
Die Pharisäer und Schriftgelehrten, die Hohenpriester und Ältesten – sie haben in unseren Ohren keinen allzu guten Klang. Matthäus aber wollte seiner Gemeinde damals nicht nur etwas über die Pharisäer zur Zeit Jesu, sondern vor allem etwas über die aktuellen Gefährdungen sagen und über die aktuellen Möglichkeiten. Wo wäre ein Umdenken heute erforderlich? Wo wird heute zu schnell Ja gesagt und dann doch nichts getan? Vor allem aber: Wo haben wir Zeit für eine vertiefte Wahrnehmung der Wirklichkeit, wo ist Zeit, hinter die Dinge zu schauen, uns auseinander zu setzen mit ei-ner veränderten Welt und mit der Botschaft des Evangeliums an diese Welt? Sind wir schon bei uns selbst angekommen – wie die Zöllner und Dirnen, als sie bei Johannes waren? Was meint ihr? Der ganz bei sich war, der sich keiner Illusion über sich selbst hingab: Jesus, von ihm sagt die Lesung heu-te, dass er ganz Mensch wurde ohne Abstriche. Er war gefährdet und ver-sucht, wie nur ein Mensch gefährdet und versucht werden kann. Er brauch-te Zeit. Er ließ sich ein auf den Weg des Vertrauens auf den Vater. Er lädt uns ein, den günstigen Zeitpunkt zu ergreifen, in dem wir zu uns finden nach seiner Maßgabe, der Maßgabe Jesu. Sein Maß aber war das maßlose Vertrauen auf den Vater. Aus diesem Vertrauen heraus konnte er in Liebe bei den Menschen sein und kann es bis heute. Was meint ihr?
Amen
Josef Fischer
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03.09.2017, Einladung zum Vertrauen
Mt 16, 21-27
Predigt
Einladung zum Vertrauen
Mt 16, 21-27
3. September 2017
„Einladung zum Vertrauen“ habe ich als Überschrift gewählt. Zugegeben – besonders einladend
klingt er zunächst nicht, der Text des heutigen Evangeliums – eher sperrig, harsch, abweisend.
Das gesamte Evangelium Jesu Christi ist eine einzige große Einladung sich der Liebe Gottes
rückhaltlos anzuvertrauen. In verschiedenen Bildern, Ausdrucksweisen, Erzählungen wird
das umkreist. Das ist soz. die Hintergrundfolie, auf der jede Textstelle zu lesen ist. Und wenn
man genauer hinschaut ist auch diese Bibelstelle eine Einladung und Aufforderung sich der
Liebe und Kraft Gottes zu überlassen.
Unsere Schwierigkeit dabei ist, dass wir wissen – oder zu wissen meinen – was gut für uns
und für andere ist. Das ist zunächst ja auch sinnvoll – zu wissen, was einem guttut und was
nicht, was man sich wünscht und anstrebt im Leben und was nicht.
Aber dann kommen wir immer wieder in Situationen, die unsere Pläne und Wünsche durchkreuzen.
Wenn es nicht so läuft, wie wir uns das vorgestellt hätten und wie wir es als gut für
uns sehen, wenn das Schicksal hereinbricht: Sturmschäden im wörtlichen und im übertragenen
Sinn, Trennung, Krankheit, Tod … und was alles vorkommt im Leben, dann wehren wir
uns dagegen und unternehmen alles Mögliche, um das Leidvolle, das „Durchkreuzende“; sagen
wir „das Kreuz“ abzuwenden.
Auch da muss man zunächst sagen: zum Glück! Es entspricht unserem Lebenswillen, dass
wir dafür sorgen, dass es uns gut geht, dass wir dafür sorgen, dass unsere Pläne gelingen.
Und es entspricht unserem Mitgefühl, wenn wir das auch für andere Menschen wollen!
Es heißt ja nicht: „Jeder suche sich ein möglichst schweres Kreuz.“ Es heißt: wenn es nicht zu
ändern ist – und der Weg Jesu ans Kreuz war offensichtlich nach menschlichem Ermessen
nicht zu ändern – dann nimm es! Gott ist bei dir und weiß einen Weg, der auch dich zum Leben
führt!
Petrus kann das noch nicht. Wir sind also in höchst prominenter Gesellschaft, wenn es uns
(noch) nicht gelingt. Er wehrt sich dagegen, dass Jesus, den er liebt, leiden und sterben soll.
Petrus, der in der unmittelbar vorausgehenden Stelle als „Fels“ für die Kirche bezeichnet
wurde, dem von Jesus die „Schlüssel des Himmelreiches“ zugesprochen sind, nützt seine neu
gewonnene Autorität gleich mal um klarzustellen, was seiner Meinung nach der Wille Gottes
ist. Die Einheitsübersetzung gibt das ein bisschen schwach wieder mit „Das soll Gott verhüten,
Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“ Das klingt nach einem Wunsch. Tatsächlich sagt
Petrus: „Das hat Gott nicht mit dir vor!“ Eine dramatische Szene baut sich hier auf, fast etwas
wie ein Machtkampf wer hier das Sagen hat: Petrus oder Jesus?
Petrus wird an dieser Stelle zum Stolperstein auf dem Weg Jesu, er stellt sich Jesus in den
Weg. Und er wird deutlich zurückgewiesen. Im wörtlichen Sinn: „Hinter mich“, sagt Jesus.
Das Überbringen der Botschaft vom Reich Gottes ist Jesus am allerwichtigsten: Wie nahe
Gott uns ist, wie vorbehaltlos er uns liebt und dass er sich in seiner Liebe nicht von Leid und
Tod aufhalten lässt. Dem Überbringen diese Botschaft darf sich niemand entgegenstellen.
Auch Petrus nicht.
Dass es hilfreich sein kann, schwierige Situationen anzunehmen um mit ihnen leben zu können,
sagt auch die Psychologie. Das Evangelium geht noch weiter:
Es beginnt ja damit, dass Jesus seinen Jüngern erklärt, er müsse nach Jerusalem gehen, dort
werde er vieles erleiden und getötet werden, aber am dritten Tage werde er auferstehen.
Haben Sie es wahrgenommen, als uns das Evangelium vorgelesen wurde? Petrus hat es offenbar
überhört, das von der Auferstehung. Das vorher Gesagte von Leiden und Tod nimmt
ihn (und uns?) so in den Bann, dass die Ankündigung der Auferstehung untergeht.
Das kann uns eine Spur geben, was mit der von Jesus geforderten Selbstverleugnung gemeint
ist: sich nicht von den Möglichkeiten und Unmöglichkeiten des eigenen Lebens, nicht
von Zwängen und Leid so in den Bann ziehen lassen, dass wir die Auferstehung überhören!
Sondern der Liebe und der Macht Gottes, die zur Auferstehung führt, mehr Raum und Kraft
lassen als unserem eigenen Selbst.
Darum meine ich, dieses Evangelium sei eine Einladung zum Vertrauen: zum Vertrauen darauf,
dass Gott das letzte Wort hat und das dies ein Wort der Liebe und des Friedens ist. Mit
diesem Vertrauen ändert sich oft nicht einmal die Situation, aber – das ist meine Erfahrung
und habe ich bei vielen Menschen schon so erlebt – es ändert sich der Blickwinkel, es vermehrt
sich die Kraft, die Fähigkeit zu bestehen, der Friede im Herzen.
Im letzten Satz des Evangeliums wird nochmal deutlich, dass Gott das letzte Wort hat – und
auch da lohnt es, genau hinzuschauen. Gott, bzw. „der Menschensohn“ wird „jedem Menschen
vergelten, wie es seine Taten verdienen“, heißt es da. „Vergeltung“ hat bei uns keinen
guten Klang. Es klingt nach Rache. Und wir bekommen es schon wieder mit der Angst: „Genügen
meine Taten?“, „Was werde ich verdient haben in den Augen Gottes?“ –
Manchmal ist es schon ein Fortschritt, wenn Menschen die Vergeltung Gott überlassen.
Was aber, wenn Gottes „Vergeltung“ Liebe ist?! Wenn er mit Liebe vergilt - alles, auch das
Böse. Kann ich das nehmen, annehmen – für mich – und für andere?
Ich habe in einem Text gelesen, dass Gott ein Meister des Plan „B“ ist. Für ihn ist nichts zum
Scheitern verurteilt. Er kann aus dem größten Mist Gutes machen. Hoffnung siegt über Resignation.
Vielleicht war Jesu Tod am Kreuz gar nicht so geplant. Aber seine Leben ist halt unvermeidlich
darauf zugelaufen. Gott lässt sich nicht von der Auferstehung abbringen. Er hat
das letzte Wort und das heißt „Liebe“. Das ermutigt zum Vertrauen, dass Gott aus allen
durchkreuzten Plänen und Wünschen Gutes macht.
Dass er jedes Kreuz zur Auferstehung führt.
Brigitta Neckermann-Lipp
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02.07.2017, Gewinnen oder verlieren!
zu Mt 10,37-42
Predigt
In dieser Woche war ich bei einem Experiment dabei – 80 Menschen haben in verteilten das ganze Markusevangelium gelesen, 90 Minuten am Stück. Das war spannend. Einmal war ich konzentriert dabei, einmal kämpfte ich bei schwüler Luft mit der Aufmerksamkeit. Einzelne Worte habe ich neu gehört, andere Zusammenhänge sind mir deutlich geworden. Unter ande-rem sind mir die Worte Jesu an die Jünger im Ohr geblieben. Immer wieder sagt er zu ihnen: Versteht ihr denn nicht! Bis hin zum Ölberg, als Jesus sie schlafend vorfindet.
Beim heutigen Evangelium, Verse aus dem 10. Kapitel des Matthäusevan-geliums zur Nachfolge, wundert mich das nicht. Ist es Ihnen beim Hören auch so ergangen, dass der Klang schroff ist. Die Worte erscheinen hart: Wer Vater, Mutter, Sohn, Tochter mehr liebt oder Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt und Wer sein Leben gewinnen will, wird es verlieren ... Wahr-lich kein Evangelium light! Beim Bibelgespräch am vergangenen Montag haben wir uns um Zugänge bemüht und um das Verständnis gerungen. Es gibt Widerstände, wenn es darum geht, jemanden bedingungslos zu fol-gen. Heißt das den eigenen Verstand auszuschalten, ohne eigenen Willen zu leben?
Nehmen wir einen Vers genauer in den Blick, ich meine darin liegt ein Schlüssel zum Verstehen. „Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“ Also es geht um’s Gewinnen, es geht um’s Finden. Wer möchte das nicht. Noch da-zu, wenn es um nicht weniger als den Lebensgewinn, um’s Finden des rich-tigen Weges zu einem geglückten und gelingenden Leben geht. Da kommt den Frauen und Männern, die sich auf die Suche danach begeben haben und bis heute begeben, Jesus in die Quere. Sie sind glücklich, weil sie Jesus gefunden haben oder weil Jesus sie gefunden hat. Sie fühlen sich angezo-gen von ihm. Sie merken, es geht um mehr als darum, sich am Morgen zu erheben, das Seine zu tun und am Abend sich hinzulegen. Sie spüren, dass in seinen Worten eine andere Wirklichkeit durchscheint, die über das All-tägliche hinausführt. Und sie dürfen erfahren, dass dieser Jesus ernst macht, die Scheinheiligkeit und das sich zur Schaustellen der sogenannten Frommen kritisiert. Sie glauben Jesus, sie trauen ihm und folgen ihm nach. Umso mehr, weil er für sie den Weg ohne Menschenfurcht zu Ende gegan-gen ist und trotz Todesangst sein Leben am Kreuz hingegeben hat. Im Zu-grundegehen, im Hinabsteigen in das Reich des Todes liegt die Erlösung. Leichter war sie anscheinend nicht zu haben. Das Zugrundegehen ist die Voraussetzung für die Auferstehung. Es braucht den Weg zum Grund, den Weg der nicht immer einfachen Selbsterkenntnis, um das Leben zu finden. Es ist scheinbar paradox: anstatt am Leben festzuhalten findet es den Sinn im Loslassen. Der Theologe und Psychologe Lorenz Wachinger beschreibt es so: „Indem ich mich weggebe wie Jesus, die Zeit an mir arbeiten lasse und das ständige Wegsterben annehme, gewinne ich erst mein Leben, finde seinen Sinn, kann ja dazu sagen - erfahre ich, dass ich von Gott gehalten bin.“ Die Rechnung ist einfach: vertrauend auf Gott hin leben oder ver-schlossen mit sich allein sein.
Eine Bibelabend-Teilnehmerin hat es in der Abschlussrunde so ausgedrückt: Der Auferstandene hat den Jüngern gesagt: ich gehe euch voraus und ich bin froh ihm zu folgen. Es gilt also, es sich vom Herrn zusprechen zu lassen: Hinter mir her! Vielleicht doch mehr Gewinn als Verlust. Amen.

Ludwig Raischl
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04.06.2017, Da kam Jesus (Joh 20,19-23)
Pfingsten
Predigt
1. Als Furcht im Innern war…,
Gut drauf waren sie nicht, die Jünger, am Abend des ersten Tages der Woche. „Furcht vor den Juden“ und „die Türen verschlossen“, das deutet nicht unbedingt auf Startschuss und auf Loslegen hin. „Dass die Post abgeht“ und „Auf die Plätze – fertig – los“ ist hier nicht zu erwarten. Geschockt sind sie, in Schockstarre, wie es die Parteien beispielsweise nach einer verlorenen Wahl der Reihe nach trifft, aber nicht elektrisiert. Ganz und gar nicht drauf und dran, demnächst dem Evangelium Jesu Christi den Weg in die Welt zu bahnen, so dass schluss-endlich wir heute hier Pfingsten feiern können. Vielleicht hat jemand noch die Frage gestellt, ob einer etwa eine Idee hat, eine Geschäftsidee, was man tun könnte. Er hat wohl erfahren müssen, dass sie mit der Schulter zucken, die Lip-pen zusammenpressen, Löcher in die Luft schauen, die Arme verschränken im besten Fall. Die Jünger am Abend des ersten Tages der Woche. –

2. … und es ohne Hilfe von außen nicht ging…,
Da muss jemand kommen. Da braucht´s Hilfe von außen. – Das war schon bei den neunzehn Kamelen so, die der Scheich Ibrahim seinen drei Kindern ver-macht hatte, ehe er starb. Er hatte verfügt, dem ersten die Hälfte, dem zweiten ein Viertel und dem dritten ein Fünftel der Tiere zu geben. Man wusste sich keinen Rat und holte (von außen) den Richter Jussuf. Der kam mit seinem Ka-mel angeritten und nahm die Aufteilung testamentsgemäß und zufriedenstel-lend vor, so dass er wieder heimreiten konnte. Aber wie löste er die Aufgabe? Die Lösung ist von außen zu erwarten; überraschend und einfach präsentiert sie sich. Auf sich allein gestellt hätte man vielleicht geglaubt, es gibt keine Lö-sung. Miteinander für die Hilfe von außen empfänglich sein, das ist der eine Teil. Der andere lautet: Es muss auch jemand kommen. Es muss jemand kom-men zu den Jüngern am Abend des ersten Tages der Woche.

3. … kam Jesus …
Dass jemand kommt zu ihnen, das erwarteten die Jünger höchstens von den Juden, und von denen erwarteten sie nichts Gutes. Da kommt nun der, den sie nicht erwarten, auch ein Jude, wie sie alle, ihr Jesus. Mit dem hatten sie nicht gerechnet. Als sie mit ihm beisammen gewesen waren, vor seinem Tod, da hatte er immer wieder versucht, sie zum Glauben zu führen und das Vertrauen in ihnen zu begründen, sie dürften sich auf seine Nähe verlassen, ihnen zu vermitteln, dass Gott ihr Vater, und er, Jesus, sein Sohn und Gesandter sei, ihnen zu zeigen, dass sie geliebt seien. All das mit mehr oder weniger Erfolg. Dann hatte man ihnen ihren Jesus genommen, und eine Welt war für sie zu-sammengebrochen. Da kam Jesus, sagte: „Friede euch“, zeigte ihnen seine Hände und seine Seite. Wie auch immer man sich das vorzustellen hat! Jeden-falls machten sie eine Erfahrung mit Jesus – vielleicht besser gesagt: er wider-fuhr ihnen -. Als Ergebnis dieses Widerfahrnisses hält das Evangelium fest: „Da freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen.“ Die Freude ist unumstößlich. Gegen sie steht nichts auf. Ob sie anhält? Nicht nur am Abend des ersten Tages der Woche?

4. …und gab ihnen von seinem Geist.
Werfen wir einen Blick auf das Leben der Jüngergemeinde, der jungen Kirche, von der wir herkommen. Sie machten sich daran, Sünden zu vergeben, also: Menschen zu befreien, die unter ihren Fehlern und Versäumnissen, unter ih-rem Unglauben und ihrer Unfähigkeit, zu lieben, gelitten hatten. Anderen, die eine längere hilfreiche Weggemeinschaft brauchten und erbaten, behielten sie die Sünden. Die Jünger hatten den Mut, auf die Nöte der Menschen zuzugehen, weil sie sagten: Uns hat Jesus mit seinem Atem neu belebt und Mut gemacht, uns hat er seinen Geist gegeben. Das können wir unmöglich für uns behalten. Seinen Geist, den Tröster, den Helfer, den Beistand brauchen alle. Sie sagten: wir lassen uns von Jesus in die Welt von heute senden. Wir bringen in unsere waffenstarrende Zeit den Frieden, der von Jesus ausgeht. Bei alldem tragen wir keine Waffen. Der Herr hat uns seine Wunden gezeigt. Er ist der, der für uns gelitten hat. An seinem Leiden erkennen wir seine Liebe. Von ihr sind wir ge-tragen, in ihr leben wir und an diesem Leben möchten wir alle teilnehmen las-sen, die sich nach diesem Leben sehnen. Nicht nur am Abend des ersten Tages der Woche.
Komm, Herr Jesus! Komm, Heiliger Geist!
Das ist das Gebet der Kirche am Pfingstfest. Wir können nur deswegen so be-ten, weil der Herr mit seinem Geist schon bei uns ist. Dass wir es glauben kön-nen, dass uns eine unbändige Hoffnung erfüllt, dass in uns die Liebe von neu-em entzündet wird, jenes Feuer, das am Anfang die werdende Kirche belebte, dass wir beten um sein Kommen – damit immer mehr Menschen aufatmen und lieben können: Das darf unsere Bitte sein am Pfingstfest 2017.
Amen
Josef Fischer
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07.05.2017, Zugang haben
4. Sonntag der Osterzeit
Predigt
Zugang haben

4. Sonntag der Osterzeit – 7. Mai 2017
Joh 10, 1-10

Durch welche Türen bin ich heute schon gegangen?
Welche Türen fallen mir ein, wenn ich den Begriff höre – „Tür“?
Türen können einladend offen stehen oder verschlossen sein. Wenn die Tür verschlossen
ist, ist es gut, wenn ich einen Schlüssel dazu habe – und wenn ich ihn dabei
habe.
Eine geschlossene Tür kann auch ein Bild für Sicherheit und Geborgenheit sein.
Wie wohltuend ist es manchmal, wenn ich heim gehen kann und die Tür hinter mir
zumachen. Und ich kann die Tür für jemanden öffnen, der mir willkommen ist.
Jesus sagt: „Ich bin die Tür; wer durch mich hineingeht, wird gerettet werden; er wird
ein und aus gehen und Weide finden.“ (V.9)
Die Tür, die Jesus ist, ist nicht verschlossen, sie ist hin und her passierbar. Sie führt
nicht ins Verderben, sie führt zur Rettung, zur Nahrung, zum Frieden, zur Gemeinschaft.
In diesem Evangelium sind mehrere Symbolbilder: Hirte und Schafe, die vertraute
Stimme und die fremde Stimme – und eben die Tür. Bleiben wir für heute noch ein
bisschen bei diesem Bild: Jesus ist die Tür! – Was meint das?
„Der Zugang Gottes zum Menschen ist die Liebe. Der Zugang des Menschen zu Gott
ist die Liebe“ (Elmar Gruber). Durch die Liebe kommt Gott uns Menschen nahe. In der
Liebe, durch die Liebe finden wir Menschen einen Zugang zu Gott.
Ein Kind ist die Verkörperung der Liebe zweier Menschen.
Jesus ist die Verkörperung der Liebe Gottes. Jesus ist die fleischgewordene, lebendig
gewordene Liebe Gottes.
Das ist vielleicht eher ein Weihnachtsthema. Und führt uns doch bis hierher nach Ostern.
Das Baby Jesus, das an Weihnachten unser Herz öffnet – wie es Babys halt so
tun, wem wird nicht das Herz weich, wem kommt nicht ein Lächeln ins Gesicht beim
Anblick eines Babies – dieses Baby Jesus von Weihnachten wird erwachsen und stellt
sein ganzes Leben und seine ganze Botschaft in den Dienst, die Herzen der Menschen
offen zu halten. Die Herzen immer wieder zu öffnen für den Mitmenschen, für die
Liebe, für Gott.
Die Evangelien erzählen uns in vielfältiger Weise davon, wie Jesus heilt und lehrt, wie
er mit Menschen umgeht, wie er die Schwachen stärkt und die Gestrauchelten aufrichtet.
Er setzt sich ein dafür Türen und Herzen zu öffnen und Zugang zu schaffen zu
den Menschen, zum Leben, zu Gott.
Und nach seinem Tod öffnet er die schwerste Tür, die kein Mensch öffnen kann – die
Tür/ das Tor zwischen Tod und Leben. Das Bild dafür haben wir im Osterevangelium
gehört: der Stein, der nicht mehr den Eingang des Grabes versperrt, der weggewälzt
ist.
Der Zugang zum Leben ist offen, der Weg ist frei!
Im Gleichnis des heutigen Evangeliums ist Jesus Tür, Türhüter und Hirte zugleich.
Er öffnet den Zugang und ruft jede/n einzelne/n beim Namen.
Das ist nicht nur eine äußerliche Tür, die sich öffnet, durch die auch ein Räuber oder
Dieb kommen und Verwirrung, Angst und Chaos bringen könnten.
Nein! Jesus selbst ist die Tür und damit nicht nur ein äußerer Zugang, sondern Zugang
zu den Herzen, zum Innersten eines Menschen, zu seinen tiefen Ängsten und
Sehnsüchten und Freuden.
Je besser man einen Menschen kennt, umso schwieriger ist es manchmal ihn zu lieben.
Weil man eben auch viele schwierige, unangenehme Seiten erlebt. Und darum
ist es auch oft am schwersten, sich selbst zu lieben.
Es gibt dies schöne Geschichte, die Anthony de Mello erzählt: Jesus kommt in ein
Haus. Er möchte das Haus sehen, in dem er wohnt. Und gerne führt er Jesus herum
und zeigt ihm die verschiedenen Räume. Bis sie zu einer verschlossenen Kellertüre
kommen. Jesus fragt: „Was ist da drin?“ „Ach, nur Gerümpel, altes, unbrauchbares
Zeug“, sagt der Mann. Jesus bittet darum, auch in diesen Raum geführt zu werden.
Wiederstrebend öffnet der Mann die Tür, Es ist ihm peinlich, dass Jesus die Unordnung
sieht und die vielen alten, teils schmutzigen Dinge, die er aufgehoben hat.
Aber Jesus sieht jedes Ding an, nimmt es liebevoll in die Hand, betrachtet es und legt
es behutsam wieder an seien Platz zurück. Als er alles gesehen hat bedankt er sich,
dass er auch diesen Raum sehen durfte.
Und der Mann erzählt, wie sich tiefer Friede und Gelassenheit in ihm ausbreiten. Weil
Jesus diesen Raum liebevoll angesehen hat, braucht er ihn nicht mehr zu verstecken.
Das ist ein Bild für die „Fülle des Leben“, die Jesus immer wieder verheißt: Jesus ist die
Tür zu allen Kammern der Seele, die vorzeigbaren und auch die, die nicht jeder sehen
darf, die ich lieber vor anderen verschlossen halte.
Jesus ist die Tür zu allen Seiten des Leben, die Tür, die sich öffnet, damit alle Seiten
des Lebens letztlich einen Sinn ergeben.
Wenn ER die Tür öffnet, ist alles in Ordnung. Durch die Tür, die ER selbst ist, kommt
alles in Ordnung.
Durch seine Liebe entsteht Fülle im Annehmen dessen, was alles da ist.
Jesus ist die Tür – durch ihn haben wir Zugang zum Leben, zum ganzen Leben, zur
Freiheit, zur Gemeinschaft, zum Frieden, zu Gott.
Brigitta Neckermann-Lipp
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16.04.2017, Christus ist auferstanden
Vom heillosen Durcheinander zum österlichen Miteinander
Predigt
Osternacht
Christus ist auferstanden
Vom heillosen Durcheinander zum österlichen Miteinander
Mt 28,1-10
16.04.2017

Ein österliches Durcheinander? – Wer kommt woher und geht wohin? Wer sagt wann zu wem was? Hört man das Osterevangelium, kann´s einem leicht gehen wie bei folgendem Dreizeiler, den uns einmal jemand sagte, als wir – allesamt Träger des gleichen Vornamens – beieinanderstanden: „Sepp, sag´s ´ an Sepp´n, dass´ der Sepp ´an Sepp´n sagt, dass der Sepp an Sepp´n d´ Supp´n nachhi´ tragt!“ Nun haben wir es hier mit Beziehungsaussagen zu tun. Der Satz ist spannend, weil er eine unabsehbare Szene eröffnet. Das tut auch das Osterevangelium.
1. Ein Kommen und Gehen
Die beiden Marien, die von Magdala und die andere, sie kommen, es zieht sie zum Grab. „Um es zu betrachten“ heißt es. Um den Anblick des Grabes für immer in sich aufzunehmen, weil sie in ihm den liebsten Menschen vermuten: ihren Jesus. Aus Liebe gehen sie dorthin. Was aber sehen sie: ein Engel des Herrn ist vom Himmel herabgestiegen – „vom Himmel hoch da komm ich her“ – und er ist angekommen. Er spricht die Frauen an. Sie müssen gar nicht sagen, woher und wozu sie kommen; der Engel sagt´s für sie. Auch er ist aus der großen Liebe gekommen und weiß deswegen von ihrer Sehnsucht. Halbwegs kann er sie erfüllen: Auferstanden ist der Gekreuzigte; die Stelle, wo er lag – sie sollen kommen und sehen, sagt der Engel. Einerseits. Andererseits: Hier ist Jesus nicht. Dann sollen sie aber auch schon wieder gehen, zu den Jüngern, den Auferstandenen ansagen, und dass er vorausgeht. Sehen werden sie ihn dort. Dann folgt ein einziges Gehen und Sehen.

2. Weitersagen
Könnte schon sein, dass einem Gehen und Sehen vergehen, ginge es da nicht um das Weitersagen der Botschaft: „Er ist auferstanden von den Toten!“ Und der Auftrag, den der Engel den Frauen für die Jünger erteilt hat, den wiederholt und bekräftigt gleich darauf Jesus selbst, der ihnen begegnet. Weitersagen sollen sie. Weitersagen, Schwestern und Brüder. Manchmal wird gesagt von Kursteilnehmern: Ja, wenn ich jetzt heimkomme und dann fragen sie mich, was war denn da, was habt ihr alles gemacht?, und dann kann ich gar nicht so leicht was sagen. Das gilt auch von einem Gottesdienst, der einen insgesamt erhoben, der einem gutgetan hat. Was kann man weitersagen? Sicher, dass man wo gewesen ist. Der Name eines Ortes, er sagt schon etwas, aber noch nicht das Wesentliche. Und kann ein anderer an dem teilnehmen, wo er nicht dabei war? Wenn man selber schon durch etwas hindurchgegangen ist, und die anderen, zu denen ich komme, auch, dann verbindet uns eine gemeinsame Erfahrung. So können die Frauen den Jüngern von Jesus erzählen, vom Gekreuzigten. Das verbindet sie. Aber vom Auferstandenen? Weitersagen, dass er auferstanden ist? – Wir wünschen uns heute „Frohe Ostern!“. Die Griechen sagen. „Christos anesti“, und die Russen: „Christos woskresse“ – und bekommen zur Antwort: „Woistinu woskresse!“: Christus ist auferstanden – Er ist wahrhaft auferstanden! Was ist unsere Botschaft, was ist unser Glaube, was sagen wir weiter, was geht von uns aus, von uns weg, von uns her? Wenn gar nichts weiterginge – dann wären wir nicht hier! Aber: was sagen, was weitersagen? Hören wir dazu Jesus selbst.

3. Hören und Sehen
Jesus lässt sich selber sehen und hören. Es heißt: Er begegnet ihnen und er grüßt sie. Das ist ein Erstes: Begegnen und Grüßen. So zumindest fängt der Auferstandene an. Und die Frauen: Sie sagen nichts, sie fassen ihn an, und er sagt ihnen, sie sollen sich nicht fürchten. Sich nicht fürchten. Ist das nun viel verlangt oder ist das ein Wort? Eines das trifft? Dass man sich nicht fürchten soll – ist das nicht ein kühnes, ein fast unglaubliches Wort angesichts der Lage der Welt, angesichts der Lage vieler Menschen und ihrer Seelen, angesichts der ganzen Gemengelage? Was ist kühner? Zu sagen: fürchtet euch nicht, auch wenn es in der Welt manchmal wirklich zum Fürchten ist? Oder zu sagen: Fürchtet euch nicht, Christus ist auferstanden. Geht dorthin, wohin er euch bestellt hat; dort werdet ihr ihn sehen? Angesichts der Weltlage könnten einem Hören und Sehen vergehen. An die Auferstehung Jesu glauben wird zu einem vertieften Hören und Sehen führen. Welt und Leben sind dann kein heilloses Durcheinander, wohl aber ein österliches Miteinander, oder: wie Papst Franziskus sagt: „wunderbar komplex“ (Amoris laetitia 308).

AMEN.
Josef Fischer
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14.04.2017, Für die Liebe gibt es immer ein Hernach
Karfreitag
Predigt
Karfreitag
Für die Liebe gibt es immer ein Hernach
Joh 18,1-19,42
14.04.2017

1. Wo kommen wir denn da hin!
Im Anschluss an die Fußwaschung gestern, die dem Petrus eine nicht geringe Lernanstrengung abverlangt hatte, hat Jesus vom neuen Gebot gesprochen: „Liebt einander, wie ich euch geliebt habe“ (13,34) Das ist für Petrus in dieser Weise unerwartet, neu, überraschend. Es ist viel für ihn, und er braucht Klarheit. Was meint der Meister, was hat er vor, auch: wo kommen sie da hin mit ihm? Ja, wo kommen sie hin? Ja, wo kommen wir denn da hin? – so fragen wir auch, und es schwingt dann unwillig – Erregtes mit. Petrus fragt also: „Herr, wohin gehst du?“ (13,36). Jesus antwortet: „Wohin ich gehe, kannst du mir jetzt nicht folgen; du wirst mir aber später folgen“ (36). Das ist nun für Petrus keine Antwort: „Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben“ (37). Jesus antwortet: „Dein Leben willst du für mich hingeben? Wahrlich, Wahrlich, ich sage dir: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen“ (38).

Das sitzt. Für immer. Die ganze katholische Welt hört heute am Karfreitag wie in jedem Jahr, dass Petrus den Herrn dreimal verleugnet hat, einmal vor einer Magd, der Türhüterin, dann vor den Knechten, die sich der kalten Nacht wegen wie Petrus am Feuer wärmen, und schließlich vor einem Knecht des Hohenpriesters, und dieser Knecht ist obendrein ein Verwandter dessen, dem Petrus das Ohr abgehauen hat (18,15-27). Wer ist bloß dieser Petrus? Bei der Gefangennahme hat Petrus plötzlich ein Schwert in der Hand, er zieht das Schwert, er schlägt den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das Ohr ab, und zwar das rechte. Um seinem Gegenüber das rechte Ohr abschlagen zu können, muss man ein Linkshänder sein, oder im Getümmel drauflosschlagend zufällig – aber höchst unwahrscheinlich – einen solchen Treffer landen. Wie auch immer: ein abgeschlagenes Ohr ist eine doch merkwürdige Ausbeute, mit der sich Petrus eher oder eigentlich lächerlich macht. Besser gesagt: Nicht Petrus erscheint als lächerlich, sondern die wild um sich schlagende Gewalt. Jesu Anweisung an Petrus ist denn auch denkbar knapp: Stecke das Schwert in die Scheide. Diese Anweisung Jesu ist freilich später nicht immer befolgt worden, zum Schaden vieler Menschen und zum Schaden der Kirche. Jesus stellt vielmehr eine rhetorische Frage: Den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich ihn etwa nicht trinken? Petrus hat´s nicht leicht. Da hätte er sich einmal mutig hervorgetan, und dann war´s doch nur ein besserer Luftstreich.

2. Ehrlich!
Sind wir uns ehrlich! Machen wir uns nichts vor! Wenn man von einem sagt: Der hat getan, als würde er mich nicht kennen, wenn man von einem sagt: Der hat mich glatt verleugnet, der braucht sich eigentlich nicht mehr blicken lassen. Wenn einer Sprüche macht, dann ist er ein Sprüchemacher, wenn einer den Mund zu voll nimmt, dann ist er ein Maulheld, wenn einer wild und blind drauflosschlägt, dann ist er ein Kasperl, wer einen anderen verleugnet, ist ein Verräter, ob er nun Judas heißt oder Petrus.

3. Hernach!
Für Petrus gibt es ein „hernach“ (vielleicht auch für Judas?). Da wird er Jesus folgen, treu bis in den Tod am Kreuz. Petrus musste den Weg des geliebten Meisters mitgehen, ohne ihn zu verstehen, ohne zu wissen oder auch nur zu ahnen, wohin dieser Weg führen sollte. Sein impulsives, kämpferisches, draufgängerisches Herz erwies sich zunächst als das eines furchtsamen Hasen. Der Herr nahm ihn in die Schule der Liebe, er ließ nicht ab von Petrus, und er ergriff immer wieder die Chance. Und wenn er hundertmal jede Selbstachtung verloren hat, sich zu Tode schämt, der Herr nimmt seine Scham an und gibt ihm die Achtung wieder. Wie furchtbar ist das für ihn, dass sein Herr und Meister am Kreuz stirbt, und er hat ihn verraten! Petrus lernt, trotz allem an die Liebe zu glauben, dass man ihn mögen, ihn gernhaben kann trotz allem. Und hernach, aber wirklich erst hernach, zeigt sich ihm der Auferstandene.

Meine Lieben. Geben wir uns selber nie auf. Geben wir einander nicht auf. Einer ist, der uns nicht aufgibt: Jesus, der Herr, der uns liebt, bei dem wir ein Leben lang in die Schule gehen dürfen.

AMEN.
Josef Fischer
13.04.2017, Widerstand und Ergebung
oder: zur Liebe befreit werden
Predigt
Gründonnerstag
Widerstand und Ergebung
oder: zur Liebe befreit werden
Joh 13,1-15
13.04.2017

Das einzig Bleibende ist die Veränderung, und nichts bleibt so, wie es war. Dass dem so ist, das wissen wir. Aber oft genug stemmen wir uns gegen das, was fremd und ungewohnt ist. Freilich gibt es die Chance, sich einer veränderten Situation zu öffnen, im Neuen vielleicht sogar den Zugewinn zu sehen. Es braucht einen treuen Begleiter, einen mit hartnäckiger und liebevoller Geduld. Es braucht den, der weiß, dass wirkliches Wachstum nur unter Schmerzen, unter Abschieds-Schmerzen geschieht. Es braucht einen, der mit dem menschlich verständlichen Widerstand so umgeht, dass er zur Ergebung wird, zu einer Ergebung freilich, die zu mehr Leben führt, zur tiefen Wahrheit und zur großen Liebe.

1. Aus Liebe sorgt Jesus für Unterbrechung
Für Jesus ist klar - er weiß -, dass er aus dieser Welt zum Vater hinübergeht. Die Seinen liebt er, und es heißt, dass er sie „bis zum Ende“, dass er sie aufs Tiefste liebt, dass er sich nach ihnen sehnt und ohne sie nicht sein will. Noch einmal halten sie Mahl. Da weicht Jesus vom gewohnten Gang ab, er unterbricht. Es heißt: Er steht vom Mahl auf. Das ist beunruhigend. Was tut er da? Er legt die Oberkleider ab, umgürtet sich mit einem Leinentuch, gießt Wasser in das Waschbecken und beginnt, die Füße der Jünger zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen. Man hat den Eindruck, das geht lautlos, ohne Kommentar, ohne Nachfrage, ohne Widerspruch. Eigentlich ist das seltsam. Der Herr und Meister wäscht den Jüngern die Füße. Das lassen die sich gefallen? Merken sie nicht, was da geschieht? Die gesamte Ordnung stimmt doch nicht mehr! Es läuft tatsächlich, bis Jesus zu Simon Petrus kommt. Der erfasst mit dem untrüglichen Sinn eines Menschen, der das Leben kennen und seinen Meister lieben will – da kann er sich so leicht nicht übertreffen lassen – der erfasst im Augenblick das Ungeheuerliche, das sich tut, das Jesus tut. Petrus spürt, dass diese Unterbrechung mehr ist als ein äußeres Handeln, er wittert fein den Umsturz. Sein Meister, dessen Kraft er kennt, dessen Liebe ihn bezwingt, will ihm die Füße waschen.


2. und begleitet den Widerständigen
Dass wir uns recht verstehen: Petrus steht für den Menschen, dem gerade gezeigt wird, dass er liebenswert ist, dass er sich was schenken lassen soll, dass er sich nicht zu gut sein soll dafür, von jemandem was anzunehmen. Wittert der moderne Mensch die Gefahr, sich abhängig zu machen? Zur Gegenleistung verpflichtet zu sein? Als Hilfsbedürftiger zu erscheinen? Was möchte er denn, der moderne Mensch? Auf keinen Fall angewiesen sein auf andere? Sich nicht bedienen lassen, sich nicht helfen lassen müssen, unabhängig, selbstmächtig bleiben können? Aber doch auch, nicht einsam sein müssen, sondern in guter Gesellschaft leben? Wir tun gut daran, den Menschen zu verstehen, denn wir sind selber mehr oder weniger dieser Mensch. Zunächst möchte man dem Petrus zurufen: Lass es dir doch gefallen, dass dir der Herr die Füße wäscht, dass er dir seine Liebe zeigt. Aber vielleicht bleibt unsereins doch das Wort im Hals stecken. Zu vertraut scheint nämlich die Abwehr-Reaktion des Petrus: „Herr, du wäschst mir die Füße?“ Jesus verweist ihn zunächst darauf, „hernach“ werde er sein Tun verstehen. „Hernach – das ist dem Petrus zu weit weg und überhaupt: Die Füße wirst du mir auf keinen Fall waschen – „in Ewigkeit nicht“. Jesu großer barmherziger Trumpf, den er nun hervorholt, lautet: „wenn ich dich nicht wasche, hast du nicht teil an mir, hast du keinen Platz bei mir“. – Keinen Platz haben, das geht gar nicht. Petrus erfasst es jäh, urplötzlich, und er will ein Vollbad, nicht nur die Basis-, sondern die Totalreinigung. Beim Meister keinen Platz haben, das wäre der Tod.

3. zur Ergebung
Petrus musste lernen, sich bedienen und lieben zu lassen, die Liebe des Meisters anzunehmen. Erst als Jesus dem Petrus deutlich macht, dass er sich mit seinem Stolz selber ins Abseits manövriert und allein bleibt, begreift er, dass er beinahe die Liebe selbst ausgeschlagen hätte. Und so nimmt Petrus Abschied von der Eigenmächtigkeit, der Selbstverliebtheit, letztlich aber von einer tiefen Lebensfurcht und tragischen Selbstverschließung. Er akzeptiert seine Liebebedürftigkeit und wird fähig für die Frage, die ihm der Auferstandene kurze Zeit später stellen wird: Simon Petrus, liebst du mich? Wirst du dich mir zur Verfügung stellen für eine Aufgabe, mit der du Verantwortung in Freiheit übernimmst? Leitende Verantwortung für andere? Jesus führt den Petrus aus der Verliebtheit zur Liebe. Das bedeutet für Petrus einen schmerzlichen Veränderungsweg und Wandlungsprozess, das fordert zunächst seinen Widerstand heraus, fördert aber seine Ergebung. – Dass wir in den Herausforderungen unseres Lebens die Hand unseres Herrn erkennen, der in uns die Kraft der Liebe stark machen will, das ist eine Lebensaufgabe, vor allem aber die österliche Gabe des Herrn an uns heute und hier.
AMEN.
Josef Fischer
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02.04.2017, Ich bin die Auferstehung - glaubst du das?
5. Fastensonntag
Predigt
Ich bin die Auferstehung - glaubst du das?
5. Fastensonntag (02.04.2017)
Joh 11,1-45

Es ist ein langes Evangelium, 45 Verse, 5 Runden hat es gebraucht, bis wir bei der Begegnung mit der Bibel die ganze Stelle, Vers für Vers gelesen ha-ben. Das Thema ist Krankheit, Trauer, Tod – und die Frage nach dem Glau-ben. Ich möchte 2 Gedanken zum Thema legen.
Zum einen: es geht also um Krankheit, Trauer und Tod. Und das ist nicht so schnell abgearbeitet. Wohl die meisten von uns haben Erfahrungen dabei, wenn Großeltern, Eltern, der/die Partner/in, vielleicht ein Kind, ein naher Mensch von uns gegangen ist – wieviel Erfahrung steckt in diesem Kir-chenraum, der in der längsten Zeit seiner fast 700-jährigen Geschichte Spi-tal/Krankenhaus gewesen ist. Im Grunde könnte man sagen, diese Erzäh-lung ist die Geschichte einer Trauerarbeit aus dem Glauben heraus. Und gläubige Trauerarbeit geht auch nicht schneller. Schauen wir nur, wieviele Strecken zurückgelegt werden – zunächst kommt ein Bote mit der Nach-richt, dass Lazarus krank, schwerkrank, todkrank, ist. Erst nach 2 Tagen (warum?) bricht Jesus mit den Jüngern auf. Dann kommt Marta Jesus ent-gegen, Marta läuft zu Maria, Maria zu Jesus – er ist noch nicht im Dorf. Die Trauernden folgen ihr, dann gehen sie zum Grab. Viel Bewegung also, viele Stationen. Trauerarbeit ist nichts Statisches, es kommt etwas in Gang, es fließt, nicht nur die Tränen. Emotionen sind im Spiel. Das ist auch an Jesus abzulesen. Jesus ist mit den 3 Geschwistern befreundet, in liebender Ver-bundenheit. Es ist nachzuvollziehen, dass auch ihm angesichts des toten Freundes die Tränen kommen. Auch er wird ergriffen von der Trauer der Freunde und der Leute, die gekommen sind um die Schwestern zu trösten. Von Grimm ist die Rede, auch das kennt die Trauer: Wut und Zorn - und Er-regung, aufgewühlt sein. Das alles darf sein, ist sogar sehr wichtig ange-sichts des Todes eines lieben Menschen. Jesus ist da ganz Mensch, da wird er uns ganz nah und sympathisch.
Bis jetzt könnten die Gedanken auch einem Seminar zur Trauerarbeit ent-nommen sein. Doch das Evangelium kennt eine zweite Seite, ich nenne sie einmal die gläubige Trauerbewältigung. Allein das Wort Glauben kommt siebenmal im Text vor. Was ist nach dem Evangelium das Besondere am christlich trauern? Wie gesagt, auch der Christ durchschreitet die Stationen menschlicher Trauer. Doch es kommt etwas dazu. Der aufgeklärte Mensch sagt nüchtern: mit dem Tod ist alles aus. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für ein Leben nach dem Tod. Viele Zeitgenossen heute sehen das so. - Wir sind da, weil wir das nicht so sehen. Wir suchen nach Antworten und finden Analogien in der Natur. Was zu Erde wird, wird Nährboden für neues Wachstum und Leben. Oder das Bild der Raupe, die sich zum Schmetterling wandelt. Alles Hilfen für ein gläubiges Suchen nach einem Sinn in der Trau-er, angesichts des Todes. Auf unserer Suche als Christ kommt uns plötzlich noch jemand entgegen. Es ist Jesus, der von sich sagt: Ich bin die Auferste-hung und das Leben. Es kommt der hinzu, der selber hinabgestiegen ist in die menschlichen Tiefen des Todes und der am dritten Tag auferweckt wur-de. Es kommt die Erfahrung „Jesus lebt“ der ersten Frauen und Männer am Ostermorgen hinzu. Und seitdem klingt es durch die Zeit: Ich bin die Aufer-stehung und das Leben, wer an mich glaubt, wird leben auch wenn er stirbt. Wir wiederholen es bei jeder Beerdigung, damit es in unser gläubiges Bewusstsein eindringt. In Jesus können wir die Herrlichkeit Gottes sehen, so der Evangelist. Er gibt uns Einblick in das Himmelreich. Er lädt uns dazu ein, er möchte Kontakt mit uns, in jeder Eucharistiefeier wird es handgreif-lich – auch jetzt wieder.
Und dann kann es sein, dass Krankheit-Trauer-Tod in einem anderen Licht erscheinen. Dass ich nicht allein bin. Dass es eine Beziehung gibt, die über Zeit und Raum hinausragt und verbindet. Dass mit der Zeit sich Trost ein-stellt und die Hoffnung, dass mit dem Tod nicht alles weg und aus ist. Son-dern dass es ein Wiedersehen in der Herrlichkeit Gottes gibt.
Glaubst du das. Ja ich glaube. Amen.
05.02.2017, Die Würze des Lebens
5. Sonntag i.Jk
Predigt
Die Würze des Lebens

5. Sonntag i.Jk, 5. Februar 2017
Mt 5, 13-16; Jes 58, 6-10


Eine Taschenlampe ohne Batterie hatte ich mal auf einer Berghütte dabei. Eine Taschenlampe, die dann in der Nacht, wenn man sie braucht, nicht leuchtet – das ist sinnlos. Da hätte ich die ganze Lampe nicht mitzunehmen brauchen.
Genauso sinnlos, so absurd ist es, eine Lampe anzuzünden und sie dann unter ein Gefäß zu stellen, damit niemand das Licht sieht – oder Salz, das nicht salzig schmeckt. – Das braucht kein Mensch!
Kann das überhaupt passieren, dass Salz „seinen Geschmack verliert“?
Diese Frage habe ich letzte Woche einer Chemie-Lehrerin gestellt.
„Nein“, war die Antwort, „denn „salzig sein“ ist eine Kenneigenschaft von Salz“
Der Begriff „Kenneigenschaft“ hat mir gefallen. Was sind Kenneigenschaften der Menschen, die das Wort Gottes hören? Was sind unsere Kenneigenschaften als Christinnen und Christen?

Sehen wir das heutige Evangelium dazu zunächst in seinem Zusammenhang: Wir befinden uns am Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu. Jesus verkündet in Galiläa die Frohe Botschaft vom Reich Gottes, er heilt viele Kranke und beruft seine Jünger. Viele Menschen folgen ihm und er steigt auf einen Berg und lehrt sie. Eines der ersten, was er den Jüngern, die ihm folgen sagt, sind die Selig-preisungen und gleich im Anschluss das Wort vom „Salz der Erde“ und vom „Licht der Welt“ (das wir heute gehört haben). Dann folgen Erläuterungen zu verschiedenen konkreten Lebensumständen. Dabei fällt auf, dass Jesus immer „noch eins drauf setzt“, dass er immer noch ein bisschen mehr erwartet, als vom Gesetz vorgeschrieben ist, dass zur Beachtung der Vorschriften immer noch eine Prise Güte, Liebe, Vergebung dazu kommen.
Es mag seltsam erscheinen, dass Jesus am Anfang seines Wirkens gleich so ho-he Ansprüche stellt. Ist das nicht irgendwie abschreckend?

Sicher, „anspruchslos“ ist das Evangelium nicht, dann wäre es aber auch lang-weilig, fad, ohne Wirkung. Dann würde es niemand brauchen – wie eben Salz, das nicht salzig ist oder Licht, das nicht leuchtet. Und es hätte sicher nicht bis heute überdauert.
Vielleicht ist das auch die Gefahr unserer Zeit: ein Evangelium, das fad und kraftlos ist, das keine Ausstrahlung hat, eine „Frohe Botschaft“ die unfroh ist - das braucht kein Mensch.

Und: da die Seligpreisungen, die Rede vom Salz der Erde und vom Licht der Welt, die „Prise“ Liebe und Güte, die überall dazu kommt, am Anfang des Wir-kens Jesu stehen, liegt es nahe, dass es sich nicht um zusätzliche Aufgaben handelt, nicht um Ansprüche, die zum „Normalen“ noch dazu zu erfüllen sind, sondern dass sie das Fundament bilden.
Das Bildwort vom „Salz der Erde und Licht der Welt“ ist kein Appell an uns, kei-ne Aufforderung „jetzt macht mal“, sondern ein Ist-Zustand: Ihr SEID das Salz der Erde: verweigert eurer Umgebung nicht die Würze, nicht den Geschmack! Ihr SEID das Licht der Welt- versteckt es nicht!

Denn davon geht alles aus:
Immer wieder daran zu glauben, dass Liebe, Gerechtigkeit und Güte letztlich den Sieg davontragen, auch wenn es zunächst manchmal nicht danach aus-schaut.
Darauf vertrauen, dass die Zukunft der Welt nicht in der Hand der Klugen und Mächtigen liegt und schon gar nicht in der Hand von Angst und Terror, son-dern in Gottes Hand.
Dieses Vertrauen erhellt die dunklen Ecken unseres Lebens und strahlt aus auf andere – wenn wir es nicht unter einem „Gefäß“ verstecken – was ja absurd wäre.

Leben in dem Wissen, dass Gott bei uns ist, ist eine „Kenneigenschaft“ von uns Christinnen und Christen.
Ein Mensch, der lebt auf der Grundlage, dass Gott uns alle und die Welt in sei-ner Hand hält und alles zum Guten führen wird, strahlt aus – und das kann un-sere gebeutelte und oft beängstigende Welt wirklich gut gebrauchen!

Wie beim Salz reicht oft „eine Prise“ Gottvertrauen, um das Leben schmackhaft zu machen oder (eine weitere Eigenschaft von Salz), Eis zum Tauen zu bringen und Wege wieder begehbar zu machen - eine Prise in ALLEM, was uns bewegt und uns begegnet.
Würzen wir unser tägliches Leben, all unser Tun und all unser Sein mit einer Prise Vertrauen auf Gottes Liebe.
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08.01.2017, Lass es nur zu!
Taufe des Herrn
Predigt
Lass es nur zu!
Taufe des Herrn (8.01.2017)
Mt 3, 13-17

Die verunsicherte Gesellschaft, so war ein Beitrag zum Jahreswechsel über-schrieben. Immer öfter ist im Blick auf die heutige Zeit von einer Verunsi-cherung die Rede angesichts von Terror und populistischen Reaktionen da-rauf. Das Vertrauen in die Politik wie auch in die Medien ist gefährdet. Die Menschen fühlen sich haltlos und bedroht. Angst geht um, obwohl es den meisten in unserem Land materiell gut geht.
Die Bilder, die uns die Jesaja-Lesung aufzeigt, wirken da wie Balsam auf die bedrohten Seelen. Vom Messias heißt es da: er schreit und lärmt nicht – Populismus hat er nicht nötig; das geknickte Rohr zerbricht er nicht – er sieht das Kleine, Verletzte und bringt Heilung, Durchblick und Freiheit aus all dem, was fesselt und bedrückt.
Für uns Christen ist in Jesus von Nazareth der Messias zu uns gekommen. An Weihnachten haben wir seinen Geburtstag gefeiert. Der Evangelist hat ihn uns als den Immanuel, den Gott mit uns, vorgestellt. Er lässt uns nicht allein, wir können mit ihm in Kontakt sein, sein Wort hören, darauf ant-worten, mit ihm sprechen, auf Du und Du. Heute betritt er im Matthäus-evangelium als Erwachsener die Bühne. Er kommt an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen. Doch dieser sträubt sich. Und nun hören wir Jesu erste Worte nach Matthäus. „Lass es nur zu!“ Mit diesem „lass es nur zu“ werden wir auf eine Grunddimension des Christlichen hingewiesen. Jesus erinnert Johannes, den asketischen Umkehrprediger, dass es einen Plan Gottes gibt und dass jeder Mensch darin einen Platz hat. Johannes – und mit ihm wir alle - wird darin erinnert, dass nicht das menschliche Ma-chen und Tun das Erste in diesem Plan ist, sondern das Empfangen, das Zu-lassen. Der Mensch kommt im Letzten nicht zu sich selbst durch das, was er tut, sondern durch das, was er empfängt. In unserer Sprache ist noch immer die Rede von Empfangen, wenn menschliches Leben wird. Das ist ein Geschenk. Und dieses Geschenk kann man nicht machen. Es ist kein Verdienst. Es ist nur zu empfangen. Jesus in seiner ganzen Existenz steht dafür. Für uns Menschen ist er im Kind, ganz klein und bedürftig, Mensch geworden. „Dies ist mein geliebter Sohn“, so die Stimme aus dem Himmel heute im Evangelium. Durch sein Leben hat er uns gezeigt, was Liebe im göttlichen Sinn heißt: sich denen zuwenden, die es nötig haben, heilen; die Botschaft, wie Gott die neue Welt gedacht hat, den Menschen nahebrin-gen: den Armen, den Trauernden Ansehen geben, für Gerechtigkeit und Frieden sorgen, ohne Gewalt. Durch seinen Weg hat er uns gezeigt, was Liebe heißt: Liebe gegen alle Widerstände bis in den Tod – für uns Men-schen.
Lass es nur zu, sagt Jesus zu jeder und jedem von uns. Lass es nur zu, dass Du geliebt bist. Lass es nur zu, du bist gewollt und gebraucht. Mit dieser Botschaft im Herzen geh deine Wege und vertrau der Stimme in deinem In-neren. Das gibt dir Sicherheit und nimmt die Angst, auch in verunsicherten Zeiten und dunklen Tagen. Das Reich Gottes ist bereits da, wenn auch nicht marktschreierisch. Tu deine Sinne auf! Du wirst es spüren, oft im Kleinen und Leisen: da wo Heilung stattfindet, wo der Friede unerwartet einzieht, wo jemand Zeit und Aufmerksamkeit schenkt, wo die Antenne auf die Ge-genwart Gottes ausgerichtet ist. Lass es nur zu, ich bin da – die uralte und ewigneue Botschaft!
Viele Christen haben in ihrem Leben dieses „Lass es nur zu“ eingeübt. Das bekannte Gebet des Niklaus von der Flüe könnte diese Überschrift „lass es nur zu“ tragen:
Mein Herr und Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir.
Amen.
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01.01.2017, Jesus, der Retter ist da
Neujahr 2017 – Hochfest der Gottesmutter Maria
Predigt
Jesus, der Retter ist da
Neujahr 2017 – Hochfest der Gottesmutter Maria
Lk 2,16-21

Ein gutes neues Jahr wünschen wir uns heute, und wir wissen: das können wir alle gebrauchen, unterschiedslos. Selten erleben wir so ein-fach, so unmittelbar und unumstößlich: Wir stecken alle in derselben Haut. Wir sind Menschen. Wir haben ein neues Jahr vor uns. Wir haben nicht alles in der Hand. Wir halten zusammen und tun dies, indem wir uns alles Gute wünschen. Alles Gute! Bescheiden sind wir ja nicht gera-de. Wir wünschen uns Gesundheit und meinen damit mehr als das blo-ße Funktionieren der Organe, obwohl das auch nicht wenig ist. Wir wünschen uns Glück und meinen damit, dass man es braucht, über alle Machbarkeit und die entsprechende eigene Anstrengung hinaus. Wir wünschen uns Gottes Segen. Das tun wir im Glauben, dass wir im um-fassenden Sinn liebebedürftig sind, auf Annahme angewiesen, dass un-sere Sehnsucht grenzenlos ist, und dass wir nur zu retten sind, wenn Gott uns entgegenkommt.

1. Bist du noch zu retten?
Nun haben wir in der Christmette die Botschaft der Engel gehört: Heute ist euch der Retter geboren, er ist Christus, der Herr in der Stadt Davids. Ein Retter ist uns also gegeben. In der Frage: Bist du denn noch zu ret-ten? schwingt Empörung mit, Verständnislosigkeit und Erschrecken an-gesichts dessen, was da einer tut oder vorhat, und was abweicht von der gesellschaftlichen Norm. Wenn gläubige Menschen ja sagen zu ei-nem Kind, das schwer behindert sein wird, wenn sie einem, der ihnen feindlich begegnet ist, sie vielleicht sogar ruiniert hat, vergeben, weil sie selber nur so in Frieden leben können, wenn sie auf eine angestammte gesellschaftliche Stellung verzichten, um Menschen in Not zu helfen, wenn sie sich einem allgemeinen öffentlichen Geschrei widersetzen und zur Vernunft mahnen, dann und in vielen anderen Fällen kann es sein, dass man ihnen zuruft: ja, bist du denn noch zu retten? Ist dir (über-haupt noch) zu helfen? Und ein Christ könnte dann antworten: Ja, ich bin noch zu retten, ja, noch viel mehr: Ich bin schon gerettet, weil ich an den glauben, den die Engel in der Heiligen Nacht den Hirten als Retter verkündet haben: an den Christus glaube ich.

2. Jesus, der Retter, ist da.
Von diesem Retter sagt nun heute das Evangelium, dass ihn die Hirten fanden in der Gestalt eines Kindes, liegend in einer Krippe, in der Gesell-schaft von Maria und Josef. Man muss sich das vorstellen, um das An-stößige, die arge Zumutung, ja das Ärgerniserregende und den Skandal zu ahnen, der in diesem Vorgang liegt: in einem Kind wird uns der Retter präsentiert, der Heiland, der Erlöser. Die Hirten sehen, ihnen gehen die Augen auf. Die Hirten, ansonsten schweigsam und wortkarg, von schö-nen Reden hielten sie nichts, die Hirten geben plötzlich Kunde, sie wer-den die ersten Verkünder dieses Retters, der nicht hochgerüstet und wehrhaft, nicht mit Gewalt auftritt, sondern wehrlos, gewaltlos, abge-rüstet. Gott zeigt sich als Kind, Gott wird ein Mensch – und so rettet er uns. Maria, die Mutter bewahrt die Worte der Hirten, erwägt im Herzen und beginnt zu begreifen, beginnt zu glauben. Maria erinnert sich an das Wort des Engels bei der Verkündigung: Du sollst deinem Kind den Namen Jesus geben. Einfach: Jesus, ohne jeden bedeutsamen oder großartigen oder machtvollen Zusatz. Ein Menschenname für ein Men-schen(s)kind. Einfach: Jesus, übersetzt: Gott rettet. Dieses Kind ist Pro-gramm. So wird dieses Kind, das von Gott her als Retter der Welt ver-kündet wird, Jesus genannt, heute, acht Tage nach seiner Geburt.

3. Heute
Zum Ende seines Evangeliums wird Lukas von der Rettung eines Verlo-renen erzählen. Der eine der beiden Übeltäter, die neben Jesus am Kreuz hängen, wird ihn mit diesem Namen nennen und anrufen: Jesus, ge-denke meiner, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sagt zu ihm: Amen, wahrlich, dir sage ich: Heute wirst du mit mir im Paradies sein. Da ist es wieder: dieses Heute, da ist er wieder: dieser Jesus, da ist sie wieder: diese Rettung. Was am Anfang des Evangeliums in Aussicht ge-stellt, von Hirten verkündet und von Maria im Herzen erwogen wird, das wird am Höhepunkt des Evangeliums wahr in der Rettung des Ver-lorenen.

Unser Glaube heißt: Jesus, der Retter ist da. Wir sind zu retten. Wir stel-len uns dem Retter der verlorenen Welt als Mitarbeiter zur Verfügung. Zum Glück, zur Gesundung, zum Segen, der von Gott zu allen Menschen kommt.
Amen
JF
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