Kairos

kairos

Kairos ist eine Gestalt aus der griechischen Sagenwelt und bedeutet: der rechte Augenblick, die günstige Gelegenheit. Dargestellt wird er u.a. als Jüngling mit Haarschopf und kahlgeschorenen Hinterkopf, einem Messer in der Hand sowie Flügeln an den Fersen.

Im Neuen Testament greift Jesus dieses Bild auf und bezieht es auf sich: "Erfüllt ist die Zeit (griechisch: Kairos) und das Reich Gottes ist nahe!" (Mk 1,15)

Was ist das für eine Veranstaltung?

Bei dieser Veranstaltung handelt es sich um einen Vortrag mit anschließendem Gespräch. Seit der Eröffnung des Hauses 1993 findet sie dreimal jährlich statt und dauert jeweils von 20 bis ca. 22 Uhr. „Traditionell“ wird hierzu unter dem schönen Gewölbe im Atrium (Statio) bestuhlt.

Wie passen Kairos und der Abend zusammen?

Die günstige Gelegenheit (Kairos) beim Schopf zu packen ist das Motto dieses Abends. Hierzu wird jeweils ein Referent – ein Zeuge der Zeit – eingeladen, der über sich, sein Umfeld und sein Thema spricht. Nichts davon wird im Vorfeld bekannt gegeben. Die Zuhörer lassen sich überraschen und nutzen diese Gelegenheit, um etwas für sich zu gewinnen.

Wer ist dieser Zeitzeuge?

Hierbei handelt es sich stets um eine Persönlichkeit aus dem Bereich Kirche, Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft, die mal mehr, mal weniger bekannt ist.

Wie läuft der Abend ab?

Nach der Begrüßung durch einen der drei Veranstalter (Haus der Begegnung, KEB, Landvolk) und der Vorstellung des Zeitzeugen, spricht dieser etwa eine dreiviertel Stunde über seine Biographie und seine Tätigkeit. Danach kann sich ein Rundgespräch der Teilnehmer mit ihm und untereinander ergeben. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Vergangene Veranstaltungen

2017

06.11.2017
Pater Dr. Gabriel Wolf
Bundespolizeipfarrer für Süd- und Ostbayern, Generalpostulator des Ordens
Info
Bundespolizeiseelsorge als "Geh-hin-Seelsorge"
15.05.2017
Margret Schwiebacher
Gästeführerin
Info
Rückgrat zeigen
Margret Schwiebacher zu Gast beim Kairos

Ein buntes Leben möchte sie führen, verriet Margret Schwiebacher vergangenen Montag bei der Veranstaltung „Kairos“ im Haus der Begegnung. Dies ist ihr bisher auf beeindruckende Weise auch gelungen: Margret Schwiebacher war schon als Hauswirtschaftslehrerin und Verkäuferin in einer edlen Haushaltswarenboutique tätig, gab Kochkurse bei der VHS, gründete und leitete eine Mutter-Kind-Gruppe in der Burghauser Altstadt, arbeitete als Jugendschöffin am Landgericht Traunstein und ist politisch engagiert. Besonders am Herzen liegen ihr die Themen soziale Gerechtigkeit und Frauenrechte. So hatte sie auch viele Jahre ein Engagement im Vorstand bei Frauen helfen Frauen, war dort u.a. für das Sammeln von Spenden und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Die Prägung, sich für soziale Themen einzusetzen, erhielt Margret Schwiebacher schon in ihrer Kindheit. Erzählungen ihres Opas von der Zeit während und nach dem Krieg waren immer mit dem Appell verbunden: Rückgrat zeigen! Dieser ist Maßstab für ihr Handeln geworden.
Vielen Burghausern ist Margret Schwiebacher durch ihre Arbeit als Gästeführerin bekannt. Seit 1997 ist sie - mal in mittelalterlicher Gewandung, mal in zivil - in der Altstadt und auf der Burg unterwegs. „Man muss laut und deutlich sprechen können und die Menschen mögen“ beschrieb sie die Grundvoraussetzungen für diesen Beruf. Dazu gehört freilich auch eine gute Ausbildung, genaue Vorbereitung und etwas Unterhaltungstalent. Besondere Freude bereiten ihr die Kinderführungen, deren Konzept sie entwickelt hat. Rund 150 dieser speziellen Führungen für Kinder werden pro Jahr gebucht, was ein großer Erfolg ist.
Ebenso wie ihre Gästegruppen, begeisterte Margret Schwiebacher auch die rund 50 Zuhörer an diesem Abend.
06.02.2017
Kairos mit Sr. Radegund Bauer
Archivarin bei den Mallersdorfer Schwestern
Info
Sr. Radegund Bauer berichtete an diesem Abend von Ihrem "Lebenswerk". Seit vielen Jahren erforscht sie das Leben und Wirken des Ordensgründers der Mallersdorfer Schwestern, dem Seligen Paul Josef Nardini. Da zu Beginn ihrer Arbeit nur sehr wenig über Nardini bekannt war, musste Sr. Radegund fast bei "0" anfangen. So
lernte sie über die Jahre Nardini und sein Wirken kennen und ihre Bewunderung für diesen Mann wuchs immer mehr. Dies war auch deutlich an diesem Kairos-Abend zu spüren und zu erleben.

2016

07.11.2016
Andreas Herden
Evangelischer Pfarrer und Kreisrat
30.05.2016
Retrospektive
23 Jahre Kairos
Info
Seit November 1993 findet der Kairos-Abend dreimal im Jahr statt. Der vorgesehene Referent für diesen Abend hatte sich leider einen falschen Termin notiert, weswegen das Organisationsteam plötzlich improvisieren musste. DK Josef Fischer lud die anwesenden Gäste ein, Erinnerungen an vergangene Kairos-Referenten zu teilen, was zu einem lebhaften Austusch führte. Im Anschluss daran wurde eine kleine Maiandacht in der Kirche gefeiert.
15.02.2016
Waltraud Jetz-Deser
Gemeindereferentin
Info
Waltraud Jetz-Deser ist Gemeindereferentin, Familienbeauftragte in Tittmoning, Mitglied im CSU-Kreisverband Traunstein, Burg- und Stadtführerin in Tittmoning, Ehefrau und Mutter von 6 Kindern. An diesem Abend berichtete sie in eindrucksvoller Weise von ihren zahlreichen Engagements in Kirche, Gesellschaft und Politik. Besondere Anliegen sind ihr die Mitarbeit der Laien und die Rolle der Frau in der Kirche. Unter der Überschrift ALLES BEGINNT MIT SEHNSUCHT... erzählte sie von verschiedenen Stationen in Ihrem Leben, von Entscheidungen, Erfolgen und schwierigen Situation.

2015

09.11.2015
Hedwig und Wolfgang Beier
Familienfrau und Gemeindeberaterin; Richter i. R. und Diozesanratsvorsitzender
Info
Die Zeugen der Zeit waren Hedwig und Wolfgang Beier mit dem Thema: was sich uns in den Weg gelegt hat und dem Bild der Garben. Stark präsent waren die eigenen Eltern und die eigene Beziehung. Ein persönlicher, authentischer, berührender und absolut ehrlicher Kairos.
18.05.2015
Peter Schleindlsperger
Lehrer i. R.
Info
Peter Schleindlsperger war Lehrer für Religion und Sport am Aventinus-Gymnasium in Burghausen. Er berichtete an diesem Abend von seiner Zeit als Seminarist in St. Altmann und dem Kontrast zwischen der freien, ländlichen Kindheit und dem strengen Seminarleben. Der Umgang mit jungen Menschen war und ist ihm sehr wichtig, genauso wie die Musik. Er ist Gründer/Mitglied der Chöre Fidelis und Meriba.
23.02.2015
Sr. Carmen Tatschmurat
Äbtissin der Abtei Venio, München
Info
Am Montag dieser Woche fand im Haus Heilig Geist wieder der Februar Kairos statt. Hierzu konnte Albert Steiner (KLB) Münchens erste Äbtissin, Prof. Dr. Carmen Tatschmurat, begrüßen. Vor 70 sehr interessierten Gästen erzählte sie aus ihrem bewegenden Leben. Dabei ging sie auf ihre Wurzeln ein, die auf väterlicher Seite im Islam und auf mütterlicher Seite im Christentum zu finden sind. Geboren wurde sie 1950 in München als Nachkriegskind und entdeckte bereits in jungen Jahren die Begeisterung zum Christentum. Der Glaube half ihr auch über die Trennung der Eltern und den Tod des Lebenspartners hinweg. Erst durch Exerzitien am Starnberger See bei Missionsbenediktinerinnen wurden ihr die Augen geöffnet, dass es noch etwas Höheres gab, das sie mehr und mehr fesselte und dass sie für den Ordensdienst bestimmt sei. Und so wandte sich Carmen Tatschmurat mit 47 Jahren an die Kommunität Venio in München, einem Benediktinerinnenkloster. Dort absolvierte sie die 30tägige Probezeit und trat noch im selben Jahr als Ordensfrau ein. 2010 wurde sie dort Priorin, 2013 mit der Erhebung zum selbstständigen Kloster wurde sie durch Kardinal Marx zur ersten Äbtissin Münchens geweiht.
In der Abtei Venio leben derzeit 18 Schwestern, die am Tag ihren normalen Beruf nachgehen (Architektin, Ärztin, Krankenschwester), aber im Kloster leben. Eine Zweigstelle von Venio befindet sich auch auf dem Weißen Berg in Prag. Venio (Ecce venio) stammt aus dem Psalm 40 und heißt übersetzt „Siehe, ich komme...“.

2014

10.11.2014
Kerstin Hinterholzer
Vorsitzende BPW Clup Burghausen
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Frau Kerstin Hinterholzer, Vorsitzende des Business and Professional Women-Netzwerkes in Burghausen und Event-Managerin, war als Zeugin der Zeit zum 64. Kairos-Abend in Heilig Geist gekommen.
Als Summe ihres beruflichen und auch persönlichen Lebens gab sie den Teilnehmern mit: "Nur den Mut nicht verlieren".
Der Vortrag sprach Fragen an, wie: "Wo finde ich Anschluss? Wer gibt mir Rückhalt? Was kann und was muss ich selber tun? Was soll ich aufgeben, wovon mich trennen?"
Die Vortragende und die Teilnehmer fanden gut zusammen, was sich in einem ehrlichen Beifall zeigte.
12.05.2014
Wanda Benning
Englischlehrerin
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Eine etwas andere Ausländergeschichte - Leben in zwei Welten (Bigfork, Montana, USA - Altötting, Bayern, Deutschland)
Bildergalerie
17.02.2014
Msgr. Kasimir Spielmann
Pfarrer i. R. in Altötting
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Auf Mission in Alagoinhas

2013

18.11.2013
Josef Deimer
Ehem. Oberbürgermeister in Landshut
Info
Kairos mit Ex-OB Josef Deimer

Burghausen: Eine Lehrstunde der Kommunalpolitik wurde am Montag, 18.11.2013 im Haus Heilig Geist geboten. In der Abendvortragsreihe Kairos war der Ex Oberbürgermeister von Landshut Josef Deimer zu Besuch. Der aufgeschlossene, bürgernahe und sehr beliebt Politiker, geboren 1936, skizierte sein Aufwachsen in Landshut. Die teils sehr beschwerlichen Kriegs- und Nachkriegsjahre verbrachte er mit seiner Mutter seinen Geschwistern in Achldorf, jetzt einem Stadtteil von Landshut. Seine Mutter war auch für das spätere Leben sein Vorbild im Haushalte, im Fleiß und in der Ordnung. Diese Tugenden zogen sich wie eine rote Linie durch sein Leben. Nach dem Gymnasium in Freising studiert Deimer in München den Bauingenieur im Tiefbau. Durch seine Leidenschaft zum Fußball und als Tätigkeit als Baureferent hatte er sehr viel Kontakt mit den Mitbürger von Landshut. Bei der späteren Leitung des Sozialreferates kam er auch mit den sozialen Problemen der Menschen in Berührung. Dies half ihm auch bei der Neubelebung der JU. Diese diente ihm auch als Sprungbrett in die Kommunalpolitik, erst als Stadtrat, 3. Bürgermeister von Landshut und dann als erster OB von Landshut, als dienstjüngster Bürgermeister der Bundesrepublik mit 33 Jahren. Er wurde dann noch weitere fünf Perioden gewählt und erreichte so seine 35 Dienstjahre. Sein Rat an junge Politiker, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und den Menschen zuhören können. Aus seinem Gespräch kam extrem deutlich die Liebe zu seiner Stadt Landshut und zu den Mitmenschen heraus. Als sein größtes Kapital nannte er auch die Menschen, die ihn in den OB-Jahren getragen und ermutigt hatten. Dadurch wurde er auch für die CSU Stimmkreisabgeordneter im Landtag und kam später auch ins Präsidium der Partei. Trotz der Parteizugehörigkeit besaß er den Mut, nicht jeder von Oben gefällten Entscheidung zuzustimmen. So leistete er Wiederstand beim Bau der Atomkraftwerke Isar I und Isar II. Neben der OB Tätigkeit war er noch Ehrenamtlicher Vorsitzender des Bay. Städtetages, Mitglied im Senat, Präsidiumsmitglieder des Deutschen Städtetages. Seine politische Karriere rundete er mit dem Bau des Stadttunnels, des jetzigen Josef-Deimer-Tunnels ab. Im ‚Un‘-Ruhestand ist er noch weiter viel im Ehrenamtlich tätig, so im Verwaltungsrat der Abtei Seligenthal und im Verwaltungsrat der Lebenshilfe Landshut. Auf die Frage was ihm den das ‚C‘ in CSU bedeute, gab Deimer zu bedenken, dass das christliche im Leben immer eine große Hilfestellung und Messlatte war, dass die Menschlichkeit gelebt werden darf und soll. Herr Deimer zeigte sich als ein sehr liebenswerter und charakterstarker Mann und kam nicht alleine. Sein Chauffeur nach Burghausen und langjährige Wegbegleiter war der Olympia Eishockeyspieler und Bronzemedaillengewinner Alois Schloder. Geladen hatten das Katholische Landvolk (KLB), die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) und das Begegnungshaus, Heilig Geist.
Albert Steiner
13.05.2013
Dr. Herbert Wurster
Direktor Diözesanarchiv
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Thema: Aufgaben eines Archivs
18.02.2013
Rupert Bauer
Dritter Bürgermeister, Burghausen
Info
Thema: Auf was ich zurückblicke

2012

12.11.2012
Abt Hermann Josef Kugler O.Praem.
Abt des Klosters Windberg
Info
Thema: Geistliche Gemeinschaft
21.05.2012
Franz Kinsky
Geschäftsführer der Gemeinschaft Emmanuel
Info
Thema: Die Gemeinschaft Emmanuel Altötting
13.02.2012
Mag. Rupert Granegger
Priester und Betriebsseelsorger Voestalpine, Linz
Info
Thema: Betriebsseelsorge bei Voestalpine, Linz

2011

14.11.2011
Christoph Fischer
Geschäftsführer EM-Chiemgau
Info
Thema: Effektive Mikroorganismen statt Gentechnik in der Landwirtschaft
23.05.2011
Dr. Hans Bibelriether
Ehem. Leiter des Nationalparks Bayerischer Wald
Info
Thema: Natur, Natur sein lassen
14.02.2011
Pfr. Rainer Maria Schießler
Pfarrer in München St. Maximilian
Info
Thema: Was ist wirchtig in der Kirche?

2010

08.11.2010
Sr. Deborah Fürstberger CJ
Ordensschwester in Passau Niedernburg
Info
Thema: Berufung und Erfahrung
17.05.2010
Max Absmeier
Sonderschulrektor
Info
Thema: Jedes Leben hat seine Größe

Sonderschulrektor Max Absmeier aus Passau beim 51. Kairos
Jedes Leben hat seine Größe

Burghausen (heb) Max Absmeier, der vor 53 Jahren als 11 jähriger Bub aus Tann ins Seminar St. Altmann in Burghausen eingetreten ist, war sichtlich gerne und bewegt zum Kairos-Abend in eben dieses Haus gekommen, das heute „Haus der Begegnung Heilig Geist“ heißt und Menschen stärkt für ihren je eigenen Lebensweg. Ganz im Sinne des Kairos-Gastes, der sehr feinfühlig von den Begegnungen mit wichtigen Menschen in seinem Leben erzählt, immer wieder die Würde jedes Menschen betont und als eine seiner wichtigen Erfahrungen benennt: „Wir brauchen ein Lebenskonzept, das uns mit Leid umgehen lässt“. Max Absrneier hat sich in seinem Leben führen lassen von Begegnungen: Als junger Volksschullehrer in Künzing begegnet er der dreijährigen Susanne, ein Kind mit Down Syndrom, für ihn eine „Schlüsselbegegnung“, die ihn zum Weiter-Studium in Sonderpädagogik führt. Klassen mit körperbehinderten und Klassen mit geistig behinderten Kindern erforderten jeweils ein anderes Lernen, immer eine intensive Zuwendung zum einzelnen Kind. Und zu den Eltern, wenn das Vertrauen wächst — dies bezeichnet Absmeier als weitere Freude an seiner Arbeit, mittlerweile als Sonderschulrektor und Einrichtungsleiter der Caritas- Behindertenhilfe St. Severin in Passau. Neben der großen Achtung vor der Würde eines jeden Menschen braucht es Geduld und einen Blick für kleine Fortschritte. Und Liebe - Und so beantwortet Max Absmeier auch die am Anfang des Abends selbst gestellte Frage: Was unser Leben zusammenhält? Die Caritas! Und das Wissen, den Glauben, dass jedes Leben seine Größe hat.
Hedwig Beier
22.02.2010
Helmut Degenhart
Radio- und Fernsehjournalist
Info
Thema: Kirche in den Medien

2009

09.11.2009
Pfr. Michael Witti
Pfarrer im Pfarrverband Feichten, Jugendseelsorger
Info
Thema: Wege der Kirche in die Zukunft
25.05.2009
Manuela Ganzbeck
Unternehmerin, Modehaus Ganzbeck Neuötting
Info
Thema: Mode betrifft jeden
16.02.2009
Prof. Dr. Alois Baumgartner
Professor für Christliche Sozialethik an der LMU
Info
Thema: Kriese

2008

10.11.2008
Dr. Hans-Jochen Vogel
Ehem. Bundesjustizminister und langjäh. Münchner Oberbürgermeister
Info
Thema: Warum man ohne Werte nicht leben kann
05.05.2008
DK Hans Kümmeringer
Domkapitular im Bistum Passau
Info
Thema: Schülerkreis von Papst Benedikt XVI.

Hans Kümmeringer beim Kairos
Statt zum braven Schultheologen ging er zum jungen Ratzinger

Burghausen (heb) Nicht Schicksal, sondern gottgeschenkte Zeit und Auftrag und die positive Möglichkeit ist der „Kairos“, so deutete der aktuelle Kairos-Gast Domkapitular Hans Kümmeringer aus Gottsdorf den Namen der Veranstaltung, zu der er eingeladen war. Er erzählte aus seinem Leben einige Situationen, in denen ihm diese „günstige Gelegenheit“ begegnet ist. Drei Ereignisse faltete er besonders aus: Das II. Vatikanische Konzil, dass 1962 begann, zwei Jahre vor seiner Priesterweihe und das für die Kirche unglaubliche Veränderungen gebracht hat — in der Liturgiegestaltung und darin, wie sich Kirche versteht in der Welt von heute. Es entstanden die neuen hauptamtlichen Berufe in der Kirche wie Gemeindereferentlnnen und Pastoralreferentlnnen. Die Leitung der Ausbildung der Pastoralreferentlnnen über 23 Jahre hinweg betrachtet Kümmeringer ebenso als Kairoshaftes Ereignis in seinen 70 Lebens- und 44 Berufsjahren. Und dann kam noch die Leitung des Referates Ehe und Familie in der Diözese Passau dazu, ein sehr wichtiges Aufgabenfeld, in dem größte Veränderungen herausforderten. In einem Nebensatz erwähnte Kümmeringer, dass ihn der Bischof zwischendrin das Weiterstudieren anbot: „Da ging ich aber nicht zum empfohlenen braven Schultheologen sondern zum jungen Ratzinger nach Tübingen“. Und so gehört er noch heute zum Schülerkreis von Papst Benedikt und fahrt jedes Jahr zum Treffen nach Castel Gandolfo. Seine Begegnungen mit dem jetzigen Papst und seine Sieht von Kirche waren im Gesprächsteil die Hauptthemen. Eine lebenserfahrene Botschaft von DK Kümmeringer: Die Gemeinde offen halten für alle die kommen, mit ihnen ihre Erfahrungen deuten und daran glauben H wie es viele biblische Bilder sagen — dass nichts umsonst ist.
06.05.2008 Kairos am 5. 5. 08
Hedwig Beier
11.02.2008
Dr. Anna Hennersperger
Leiterin Institut für Theologische und Pastorale Fortbildung Freising
Info
Thema: Frauen in der Kirche

2007

05.11.2007
Marlis Thalhammer
Referentin “Mission, Entwicklung und Frieden“, Diözese Passau
Info
Thema: Politisches Engagemant und tiefes Gebet

Marlis Thalhammer aus Niederalteich bei November - Kairos
Spannung zwischen politischem Engagement und tiefen Gebet

Burghausen (heb) Von vielen „Kairos-Momenten“ in ihrem Leben konnte Marlis Thalhammer erzählen, die zuletzt zusammen mit ihrem Mann Josef für das Referat „Mission, Entwicklung und Frieden“ in der Diözese verantwortlich war — entweder waren es geschenkte Orientierungen oder lang errungene Entscheidungen. Wie Latten auf einem vielschichtigen Weg zeichnete sie die wichtigsten Stationen ihres Lebens, um damit das Nachsinnen und das Gespräch mit den Kairos-Teilnelnnerlnnen im Haus „Heilig Geist“ anzuregen. Das Arbeiten lernte sie, geboren 1948, auf ihrem heimatlichen Bergbauernhof im Allgäu, geprägt von einer sehr arbeitsamen Mutter, von einem Vater, der — geflohen aus der Gefangenschaft - eine tiefe Friedenssehnsucht in ihr grundlegte und von einer mütterlichen Großmutter, die ihr Glauben und Beten lernte. Die landwirtschaftliche Ausbildung schenkte ihr die Begegnung mit der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB), da tat sich für das Dorfmädl Marlis Kirchmann die Welt auf: Ein Verband, eine große Glaubensgemeinschaft mit dem Anspruch der Bewusstseinbildung, der Mitgestaltung in Kirche und Gesellschaft und mit internationaler Verantwortung: „Das Erkennen, dass der materielle Reichtum Westeuropas auf der Ausbeutung der Länder des Südens beruht, hat mich nicht mehr verlassen. Und der Leitgedanke von Roger Schütz in Taize: ‚Kampf und Kontemplation’ — in dieser Spannung bewegt sich seitdem mein Leben“. Es folgte die Ausbildung zur Landjugendreferentin, ein prägender Zen-Kurs im Kloster Steyl, der neue Tiefe in der Gottesbegegnung schenkte und dann Heirat. Das junge Paar entschloss sich, dem Passauer Brasilienteam zu folgen und ging für 12 Jahre in den Nordosten Brasiliens. Dort wuchs die Familie mit der Geburt von 3 Söhnen, der schwerstbehinderten Tochter Christina und einer brasilianischen Adoptivtochter und Malis lebte mit den Menschen (dankbar für die Arbeitserfahrungen auf dem heimatlichen Bauernhof in Kindheit und Jugend) und engagierte sich in ihrem Umfeld, überwiegend in der Gesundheitsfürsorge und in der Stärkung und Ermutigung aus dem Glauben. Vor 20 Jahren ist die Familie zurückgekehrt und hat sich in Niederalteich integriert. Und seitdem haben wir bis vor kurzem „die schönste. Aufgabe, die es in der Diözese gibt, die Arbeit im Missionsreferat tun dürfen. Christina ist vor einem halben Jahr heimgegangen, noch nehmen wir Abschied und lernen das Leben mit ihr in der neuen Gestalt.“ Da das Kloster in Niederalteich der Ort des Herzensgebetes ist, konnte Marlis Thalhammer die Spannung zwischen politischem Engagement und tiefen Gebet für sich zusammenführen: Im Herzensgebet wiederholen wir ständig den Namen Gottes in uns, da wird‘ Gott lebendig, das ist eine ganz große Kraftquelle für mich“.
Hedwig Beier
07.05.2007
Dr. Bernhard Kirchgessner
Domvikar und Künstlerseelsorger
Info
Thema: Kirche und Kunst
12.02.2007
Dr. Johann Berger
Geschäftsführer Borealis Polymere GmbH
Info
Thema: Globalisierung und Heimat

Borealis-Geschäftsführer Dr. Berger bei Kairos
Das Herz braucht eine Heimat

Burghausen (heb) Wirtschaftliche Gegebenheiten in unserer Zeit der Globalisierung standen im Mittelpunkt des Kairos-Abends, zu dem Haus „Heilig Geist“, KLB (Katholische Landvolkbewegung) und KEB (Katholische Erwachsenenbildung) den Geschäftsführer von BOREALIS Dr. Johann Berger eingeladen haben. Dr. Berger, der sich als begeisterter Familienvater, Ehemann und Musikgenießer in der Nähe von Wien lebend vorstellte, erzählte seine Globalisierungssicht als Geschäftsführer eines multikulturellen Unternehmens, das Europas zweigrößter Kunststoffhersteller ist und einen Standort in Burghausen hat. Für ihn ist das weltweite wirtschaftliche Agieren, ermöglicht durch die schnelle Informationsausbreitung und den rasch möglichen Transport aller Güter, ein Faktum, dem sich der heutige Mensch zu stellen hat. Sowohl für die Unternehmen wie für den einzelnen Menschen bedeutet die Globalisierung eine ständige Herausforderung. Dr. Berger empfiehlt sich selbst und vor allem die Kinder fit zu machen, damit weniger die Bedrohung sondern mehr das Chancenhafte gesehen und gespürt werden kann. Fit machen heißt für ihn, die Erziehung zu Offenheit, zu Interesse an fremden Dingen und beste Englischkenntnisse. Im anschließenden intensiven Gespräch wurden einige Schattenseiten und Dringlichkeiten formuliert: Der wirtschaftlichen Globalisierung müssten rasch soziale und politische weltweite Vereinbarungen folgen, damit ein Gleichgewicht der Kräfte Wirklichkeit werden kann, denn nur so kann es dauerhaft zu Frieden und Freiheit und Wohlstand für alle Menschen führen. Nicht hinreichend beantwortet werden konnte die Frage — weil dies auch von der Persönlichkeitsstruktur des einzelnen Menschen, seiner Prägung und Sichtweise abhängt — Wie viel Flexibilität und Mobilität der Mensch verkraftet. Da wurde deutlich, dass persönliche Wurzeln und Heimat ein wichtiger, ja notwendiger Gegenpol ist. Darum sagt Dr. Berger, pendelt auch er schon seit 12 Jahren zwischen Unternehmen und Familie, denn im Grunde seines Herzens ist er ein heimatverbundener Mensch. Diese Verwurzelung ist bei ihm die Voraussetzung für flexibles Agieren. Im modernen Nomadenleben stabile Beziehungen zu gestalten ist eine große Herausforderung, aber es kann gelingen!
Hedwig Beier

2006

20.11.2006
Pfr. Josef Göppinger
Missionspfarrer in Brasilien
Info
Thema: Glauben und Arbeiten in Brasilien

Zum 40. Kairos-Abend kommt Pfarrer Josef Göppinger direkt aus Brasilien
Ich habe gelernt, den Laien zu vertrauen

Burghausen(heb) Der „Kairos“ ist die erste Station des Heimatbesuches von Josef Göppinger, für die vielen Besucher im Haus der Begegnung „Heilig Geist“ mit ihren vielen Fragen kann der Abend dadurch zur günstigen Gelegenheit (= Kairos) werden. In Kastl geboren, 1977 zum Priester geweiht, Kaplan und Kreisjugendseelsorger in Simbach/Inn arbeitete Göppinger von 1986 bis 1994 im sogenannten 2. Brasilienteam in der Partnerdiözese Alagoinhas im Nordosten Brasilliens. Nach der anschließenden Leitung des Pfarrverbandes Aufhausen konnte er ein zweites Mal seinem inneren Ruf nach Brasilien nachkommen und arbeitet jetzt seit 2001 in Conde, einer Pfarrei mit 20.000 Katholiken. Die Pfarrei ist eingeteilt in etwa 40 christliche Basisgemeinschaften, die überwiegend von ehrenamtlichen Laien getragen werden: „Ich habe gelernt, den Laien zu vertrauen und die Volksfrömmigkeit zu achten, daraus gestalten die Menschen ihren Alltag. Ich fühle mich beschenkt von der Glaubenskraft der Menschen.“ Die Inkulturation ist dennoch eine Herausforderung, denn die Wertehierarchien sind unterschiedlich: In Brasilien hat Zeit und Pünktlichkeit eine andere Bedeutung, Zeit haben für einen Menschen ist ganz wichtig, ein kranker Mensch hat höchste Priorität in einer Familie, ein Fest ist mindestens so Wichtig wie die Arbeit. Die Befreiungstheologie lebt, freut sich Göppinger, sehr konkrete Bibelarbeit ist möglich, die die Armen stärkt, ihr Leben in die Hand zu nehmen. Die provozierende ungleiche Güterverteilung war auch Thema des anschließenden ausführlichen Gespräches. Die Kirche ist vorrangig an der Seite der Armen, damit ihre Situation menschenwürdig wird und das Reich Gottes spürbar wird. Mehrmals betont er die gute Arbeit der großen kirchlichen Werke wie Miserior und Adveniat, sie fordern Eigenbeteiligung, haben viel Erfahrung, kontrollieren, Begleiten - vieles ist nur dadurch möglich, beispielsweise der Aufbau einer bäuerlichen Familienlandwirtschat mit bisher Landlosen.
Hedwig Beier
08.05.2006
Ursel Krieger
Krebshilfe-Begleiterin
Info
Thema: Krebsnachsorge

Krebshilfe-Begleiterin Ursel Krieger beim 39. Kairos
„Gut, dass Du keine Hebamme geworden bist“

Burghausen (heb) An die eigene Wahrheit heranführen, eine alltägliche Erfahrung berühren und die Teilnehmerlnnen an einem Punkt treffen — so leitete Direktor Josef Fischer das 39. Kairos-Gespräch im Haus „Heilig Geist“ ein. Dieses Ziel wurde mit dem Kairosgast Ursula Krieger allemal erreicht. Die 56 jährige gelernte Bürokauffrau aus Tüßling wollte — weil sie im Beruf mit Menschen zu tun haben wollte — eigentlich Hebamme werden, lernte dann zur Überbrückung Krankenschwester und fand da ihre Berufung. Durch ein Inserat wurde sie 1980 auf einen Modellversuch der Deutschen Krebshilfe aufmerksam und wurde von der damaligen Präsidentin Dr. Mildrid Scheel dafür ausgewählt. Unter dem Motto „Menschen Mut zum Leben geben“ begann sie, Menschen, die an Krebs erkrankt waren, zu begleiten. Das bedeutete Hausbesuche, Krankenhausbesuche und es entwickelten sich bald Selbsthilfegruppen: Frauen, die an Krebs erkrankt sind, Stoma- Träger und Familien mit an Krebs erkrankten Kindern. Als der Modellversuch beendet war, sorgte das Rote Kreuz im Landkreis Altötting für die Fortsetzung, mittlerweile sind 4 Krankenschwestern in dieser sehr herausfordernden Arbeit tätig. Ursel Krieger dachte sich bei besonders schwierigen Begleitungen immer wieder mal: „Wenn ich’s nicht mehr schaffe, dann werde ich Hebamme“, bis ihr ein krebskranker Mann sagte: „Ich bin so froh, dass Du keine Hebamme worn bist, sonst kämst Du nicht zu mir“. Da wurde ihr klar, dass sie auch Hebammentätigkeit tut, sie hilft aus dem Erdenleben hinauszugehen. Die Begleitung zum Tod ist oft sehr intensiv und auch belastend, aber ein Händedruck oder die Augen eines Patienten bringen oft vieles zum Ausdruck, beispielsweise: „Es ist gut, wenn ich jetzt gehen (sterben) kann.“ Solche Augenblicke geben dieser Tätigkeit ganz viel Tiefe und Sinn. Gefragt nach ihrer Kraftquelle antwortet Frau Krieger: Das Gespräch mit Gott, obgleich es viele unbeantwortete Warums gibt, die Supervision, die Familie, die Kolleginnen, ihre Tiere und vor allem „meine“ Patienten. Und deren Wege sind sehr verschieden: Jeder Mensch trägt sein Leben anders, jeder hat andere Voraussetzungen, jeder hat eine andere Haltung zu Krankheit, manche können schnell Ja sagen, manche hadern bis zuletzt. Ursel Krieger, nach einem langen Gespräch, dass nicht alle Fragen des Abends beantworten konnte: „Viele dürfen wieder gesund Werden, manche müssen wir begleiten bis zum Tod. Ich wünsche Ihnen, dass Sie es wertschätzen, wenn Sie jeden Tag aufstehen und Ihre Arbeit machen können. Es ist auch nicht selbstverständlich, dass Jugendliche gesund bleiben können.“
Hedwig Beier
06.02.2006
Ludwig Zallinger
Lehrer am Kurfürst-Maximilian-Gymnasium
Info
Thema: Lehrer und Schule

Lehrer Ludwig Zallinger beim 38. Kairos
Die Kinder haben sich geändert

Burghausen (heb) Ein lebhaftes Gespräch folgte dem Erzählen des 38. „Kairos-Gastes“ Ludwig Zallinger, Lehrer für Geografie, Wirtschaft und Recht und Ethik und Beratungslehrer am Kurfürst- Maximilian-Gymnasium in Burghausen. Die Vermutung der Veranstalter Haus der Begegnung Heilig Geist, KLB (Katholische Landvolkbewegung) und KBW (Katholisches Kreisbildungswerkes), dass Schule ein vielbetreffendes Thema ist und den gesellschaftlichen Wandel zeigt, hat sich allein durch die rege Gesprächsbeteiligung bestätigt. Zallinger, der seine eigene Schulzeit bereits am „Ku-Max“ verbracht hat, arbeitet seit über 20 Jahren dort und wurde deshalb mehrfach nach den festzustellenden Änderungen gefragt: „Die Schüler haben sich natürlich verändert, sie sind aufgeschlossener, aufgeweckter, nicht mehr verängstigt, die Fähigkeit der Aufmerksamkeit und des Zuhören sowie die Belastbarkeit haben abgenommen, Pauken ist verpönt.“ Für ihn macht das einerseits den Reiz des Berufes aus, die tägliche Begegnung mit immer jungen Leuten mit ihren Fragen und Anforderungen, andererseits können die hohen Erwartungen an einen „reizvoll-gestalteten, spaßmachenden Unterricht und die dennoch manchmal ungeniert demonstrierte Lustlosigkeit von Schülern auch Kraft kosten. Der Blick auf die ganze Schülerlaufbahn kann helfen: Sie kommen an die Schule voller Erwartung und Begeisterung, sie werden schwierig in der Pubertät und sie entwickeln sich zu jungen Erwachsenen, die argumentieren können. Früher erlebte sich Zallinger überwiegend als Wissensvermittler, heute wird immer mehr der Pädagoge, der Erzieher gefragt, der die Team- und Präsentationsfähigkeit der Schüler fördert. Seine Ideale aus der Ausbildungszeit hat Zallinger noch nicht aufgegeben: Die Schüler fordern und fördern, dem Einzelnen gerecht werden und die gesamte Klasse im Blick haben. Das sei eine tagtägliche Gratwanderung, die unterschiedlich gut gelingt. Auf die Frage, ob die Schüler heute noch ein Vorbild suchen, antwortet Zallinger. „Im Unterricht erfährt man es meistens nicht, ob und was man den Schülern ,mitgeben’ kann — manchmal wird bei späteren Begegnungen etwas offenbar.
Hedwig Beier

2005

14.11.2005
Hans Wimberger
Landwirt
Info
Thema: Umstellung auf ökologische Landwirtschaft

Bauer Hans Wimberger beim 37. Kairos
Jedes Wirtschaften hat einen Effekt und einen Nebeneffekt

Burghausen (heb) Den Namen der Veranstaltung „Kairos“ im Haus „Heilig Geist" bezog „Kairos-Gast“ Hans Wimberger sogleich auf sein Leben: Im günstigen Augenblick, zur richtigen Zeit immer wieder sich bewegen und eine Entscheidung überdenken, neu treffen. 1949 geboren auf einem Bauernhof in Rossbach nördlich von Pfarrkirchen wurde er Bauer, bildete sich fort bis zur Meisterprüfung und reizte sein Können aus und freute sich über Höchsterträge. In der Lebensmitte trat eine Wende ein, viele Begegnungen in seinen ehrenamtlichen Aufgaben brachten ihn zum Nachdenken und ließen ihn erkennen, dass jeder Effekt einen Nebeneffekt hat und dass er nicht gegen sondern im Einklang der Natur wirtschaften möchte. Und er stellte zusammen mit der Familie seinen landwirtschaftlichen Betrieb auf ökologischen Landbau um. Ein arbeitsreicher, ein mühsamer, zwischendurch ein von Einbußen begleiteter Weg, der aber für ihn zum Richtigen wurde. Seine Grundachtung der Schöpfung lässt Hans Wimberger jetzt überzeugt gegen die grüne Gentechnik kämpfen, er bezeichnet diese Überzeugungsarbeit als die „härteste Baustelle“ in seinem bisherigen Leben. Vieles wurde dazu von den zahlreichen Kairos- Gästen gefragt und angesprochen. Die Lebensmitte wurde zum Thema als eine Zeit, in sich zu gehen und das was man tut, in Frage zu stellen. Es wurden Beispiele erzählt, die die unabsehbare Gefahr der grünen Gentechnik unterstreichen und auf die große Macht der Verbraucher hinweisen. Direktor Josef Fischer unterstrich nochmals dankend die Aussage von Hans Wimberger, dass alles einen Primär- und einen Sekundärwert hat und faltete am Beispiel des Baumes allein den Sekundärwert der Schönheit aus. Und Pfarrer Fischer stellte den Bezug zu der bis zum 11.12. im Haus „Heilig Geist“ anzuschauenden „Vater-unser-Ausstellung“ her: Es heißt: Unser tägliches Brot gib uns heute“ und nicht „Mein tägliches Brot gib mir heute“.
Hedwig Beier
09.05.2005
Josef Rottenaicher
Landwirt und Umweltbeauftragter aus Halsbach
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Thema: Das ganze Euopa - Kontakte zu Osteuropa

Zeuge der Zeit diesmal aus der Nähe
Europa wird ganz

Burghausen (heb) Nach einem Jahr EU-Osterweiterung und den vielfältigen Empfindungen der Menschen dazu sah die Kairosvorbereitungsgruppe (Haus „Heilig Geist“, Katholische Landvolkbewegung = KLB und Katholisches Kreisbildungswerk = KBW) das europäische Thema an der Zeit. Der darin persönlich äußerst engagierte Sepp Rottenaicher, Bauer und Umweltbeauftragter aus Halsbach erzählte von seinen Kontakten, seinen Erfahrungen, seiner Sichtweise, seinen Visionen. Bereits in den 70iger Jahren organisierte er im Auftrag der KLB Delegations- , Studien, Pilger- und Begegnungsfahrten nach Polen, nach Ungarn, in die Tschechoslowakei. Die vielen persönlichen Begegnungen wurden gepflegt, ein intensiver Kontakt ist gewachsen. Rottenaicher machte die Erfahrung: „Es sind dies Menschen wie Du und ich, mit ähnlichen Sorgen, Nöten und Hoffnungen“. Da man „Freunde nicht im Stich lässt“ - so Sepp Rottenaicher - initiierte er auch manche Hilfe: Saatguttransporte, Medikamente, Kindernahrung, nach dem Oder-Hochwasser gingen 200 Landmaschinen nach Polen. Ein polnischer Bischof erzählte von der Verwunderung der Menschen: Die politische Propaganda verteufelt die Menschen im Westen und dann kommt in Notzeiten so viel Hilfe gerade von den Deutschen!? Um die Verständigung von Mensch zu Mensch zu fördern, bot Rottenaicher Praktikumstellen an für Jungbauen und Jungbäuerinnen. Er konnte sich vor Interesse fast nicht mehr retten, aber er brachte sie in Ostbayern alle unter. Denn, so folgert er: „Begegnungen sind das Wichtigste, nur was wir kennen, schätzen wir ...“‚ darum ist sein großer Wunsch, dass es viele Begegnungen, Partnerschaften von Schulen, Gemeinden und Pfarreien geben wird. Renovabis, die Solidaritätsaktion der deutschen Katholiken an Pfingsten, ist bei der Vermittlung gerne behilflich. Im anschließenden Rundgespräch wurden auch die Nachteile, die jede gute Sache hat, angesprochen, beispielsweise die Dumpingpreise in Schlachthöfen oder im Baugewerbe. Darauf antwortet Rottenaicher: „Manches sind Folgen einer Entwicklung, die man Globalisierung nennt und die es schon lange gibt. Wir tragen schon länger ganz gerne Kleidung, die in Südostasien gefertigt ist und lassen uns billige Essiggurken schmecken, die der polnische Arbeiter auf dem Gurkenflieger geerntet hat. Natürlich gilt es diese Probleme ernst zu nehmen, aber darüber hinaus sollen wir die große Vision, die hinter dem ganzen Europa steht nicht aus den Augen verlieren: Das christliche Menschenbild, die Würde eines jeden Menschen ist wieder ein Ziel und wir leben seit 60 Jahren in Frieden.
Hedwig Beier
14.02.2005
Dr. Hildegard Peters
Leiterin Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement bei InfraServ Gendorf
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Thema: Die Arbeit als Werksärztin

Werksärztin Frau Dr. Peters beim 35. Kairos
„Tun was der Tag verlangt“

Burghausen (heb) Mit diesem ihrem Lebensmotto begann Frau Dr. Hildegard Peters, Leiterin des Arbeitsschutz und Gesundheitsmanagement der InfraServ im Industriepark Werk Gendorf ihre Lebenserzählung beim letzten Kairos im Haus „Heilig Geist“, zu dem dieses Haus, die KLB (Katholische Landvolkbewegung) und das KBW (Katholisches Kreisbildungswerk) dreimal im Jahr einladen. Als Gast dieses Abends nahm Frau Dr. Peters die vielen Zuhörerlnnen offen und authentisch auf ihre Lebensspur mit. Krankheit und früher Tod ihres Vaters führten sie gegen den Willen ihrer Mutter zum Beruf Krankenschwester, den sie als Berufung bezeichnete. Eine gute Stationsleiterin half ihr, sich intensiv mit dem Tod auseinanderzusetzen und damit in diesen Beruf (und in den späteren) hineinzureifen. Das Lebensmotto „Tun was der Tag verlangt“ beinhaltet für sie auch das Streben und Annehmen von Herausforderungen. So begann die Krankenschwester Hildegard Peters über den 2. Bildungsweg die Berufslaufbahn Ärztin und lernte dabei nicht nur ganz viel Fachliches sondern auch den Marathonlauf von vergeblichen Stellenbewerbungen und von Zeitverträgen kennen und musste mit der schwierigen Vereinbarung eines anstrengenden Berufes mit Ehe und einem Sohn leben lernen. Von der Inneren Medizin zur Arbeitsmedizin gekommen war sie vor sechs Jahren wieder auf der Suche ihrer „Lebensspur“ und begann ihren Dienst neu, diesmal als weibliche Führungskraft, im 650 km von der Heimat Westfalen entfernten Gendorf. Seitdem versteht sie, was Heimat und die dort selbstverständlichen Verbindungen bedeuten. Ihr Ziel hier ist es, für menschengerechte Arbeit einzustehen, nachdem sich die Arbeitswelt brutal verändert hat, der Arbeitsanfall und der Arbeitsdruck größer geworden sind und die tägliche Informationsüberflutung gigantisch ist. Es bedeutet auch für Frau Peters eine Spannung, in der „Wirtschaftswelt“ sich selbst und der eigenen Lebensspur treu zu bleiben und jeden einzelnen Menschen ernst zu nehmen. ‘Gefragt nach dem Finden der Lebensspur antwortet sie: „Jede Situation, auch und besonders die schweren, danach befragen, was ich lernen soll. Ich glaube an ‘Gott und ich fühle mich mein ganzes Leben lang geführt.“ Darum hat sie auch vor der Zukunft keine Angst: „Was soll den schlimmes passieren? Sterben müssen wir alle, danach leben wir weiter, und Krankheiten sind auch eine Botschaft für unser Leben.“
Hedwig Beier

2004

08.11.2004
Prof. Dr. Hermann Stenger
Ordensmann und Psychologe
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Thema: Pastoral

Professor Dr. Hermann Stenger beim 34. Kairos
Die Höllenfahrt der Selbsterkenntnis durchleben

Burghausen (heb) Mit einem ungewöhnlichen „Spiel“ begann der diesmalige Kairos-Gast den Abend: „Wer glaubt, dass er älter ist als ich?“ Tatsächlich meldete sich eine 90 jährige Dame, Prof. Dr. Hermann Stenger, erzählte darauf hin aus seinem 84 jährigen Leben, das in der Ordensgemeinschaft der Redemptoristen in Gars am lnn beheimatet und von einer lebenslangen Lern- und Lehrtätigkeit in Psychologie, Psychoanalyse und Theologie geprägt ist. Offen und ehrlich versuchte Prof. Stenger die Atmosphäre des 2. Weltkrieges zu schildern, in der er als Offizier tätig war, traumatische Erlebnisse hatte und überlebte. Und das war sein „Berufungsimpuls“: Wenn Du schon überlebst, dann musst du aus deinem Leben etwas machen, dann ist da ein Auftrag.“ Vielleicht strahlt er deshalb in diesem hohen Alter noch so viel Lebensfreude und Gestaltungskraft aus? Über das Kindermädchen seiner Familie, das positiv von einer Volksmission der Redemptoristen erzählte, kam Prof. Stenger zu diesem Orden, fasziniert von deren „Programm“: Erlösend in der Welt tätig sein. Das Psychologiestudium führte ihn nicht nur nach Wien sondern auch in die „Höllenfahrt der Selbsterkenntnis“, die er jedem als Lebens- und Glaubensschule wünscht. Die „Kirchencourage“ hat er bei französischen Arbeiterpriestern und bei Karl Rahner gelernt. Obwohl es immer noch eine Zerreißprobe für ihn bedeutet: Politisch kämpfen und therapeutisch handeln. Um diese Spannung überhaupt aushalten zu können, setzt Prof. Stenger auf eine innere geistliche Immununisierung. Um zu überleben in der Kirche empfiehlt er sich und anderen: Sich an Gottes Tun erinnern, seinen Zorn durch Mut bezwingen, für sich selber sorgen und „im Feuerofen singen.“ Dahinter steht eine ganz starke Verwurzelung in der Bibel und in der Liturgie und die erspürte und erlebte Berufung zu einem verdanktem und befreiten Leben.
Hedwig Beier
10.05.2004
Sr. Damienne, Sr. Rebecca
Eremitinnen aus dem Bayerischen Wald
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Thema: Das Leben als Eremitin

Zum 33. Kairos kamen zwei Eremitinnen aus dem Bayerischen Wald
Handarbeit ist ein Anker für die Seele

Burghausen (heb) Für die vielen Menschen, die in das Haus „Heilig Geist“ gekommen waren, war es diesmal gleich sichtbar, wer die Zeuginnen des 33. Kairos sind: Zwei mit Mönchsgewändern bekleidete Frauen wurden von Direktor Josef Fischer, der auch Ordensreferent der Diözese ist, begrüßt. Sr. Damienne und Sr. Rebecca leben als Eremitinnen in der Nähe der Englburg bei Tittling in einem Haus, das ihnen zur Verfügung gestellt wurde. Sie beleben die Tradition der „Altväter“, der Wüstenväter in der frühchristlichen Zeit heute neu. Genau wie die damaligen Mönche geben sie ihre Selbständigkeit nicht auf und sorgen für ihren Lebensunterhalt selbst. Sr. Damienne, gelernte Ärztin, arbeitet jetzt als freiberufliche Übersetzerin und Sr. Rebecca, gelernte Krankenschwester, arbeitet als Silber- und Goldschmiedin. Auch für alle täglichen Notwendigkeiten sind sie selbst verantwortlich, beispielsweise dass sie sich Holz zum Heizen aus „ihrem Wald“ machen. Aber „Handarbeit ist ein Anker für die Seele“, so beteuern sie und hindert überhaupt nicht am „immerwährenden Gebet“, dem sie sich verschrieben haben. „Beim Mauern kann ich beten“, sagt Sr. Rebecca, „das ist der Adel, ich kann jede Arbeit adeln.“ Daher gestalten sie ihren normalen Tagesablauf so, dass gute Zeit zum Beten ist. Sie stehen bereits um 4.00 Uhr morgens auf, um mit einer großen Gebetszeit zunächst alleine den Tag zu beginnen und dann zusammen die Laudes zu beten. Ihr Leben und Arbeiten ist durchwirkt vom ständigen Gebet, dies ist gefördert von der Einsamkeit. Allerdings ihr Haus ist offen, es wird jeder empfangen, sie pflegen die orientalische Gastfreundschaft. Direktor Josef Fischer hebt das Spannungsvolle dieser Kairosgäste hervor: Die beiden Schwestern bilden eine Eremitengemeinschaft, die von anderen aufgesucht wird. Und es ist bei ihrem Erzählen wenig Druck zu spüren. Sie horchen und verlassen sich auf die Führung des Heiligen Geistes. Und pflegen die Aufmerksamkeit füreinander - ohne Druck!
Hedwig Beier
09.02.2004
Döberl & Hasinger
Musikerduo
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Thema: Musik und Texte

Hintergründig, spritzig, humorvoll: Döberl und Hasinger
Kairos einmal ganz anders

Burghausen (heb) Diesmal ließen in der Statio des Hauses „Heilig Geist“ zunächst drei Gitarren, ein Akkordeon und eine Mandoline die Spannung steigen, welcher Zeuge der Zeit diesmal zu einem Thema der Zeit spricht. Es traten Andreas Döbert und Rainer Hasinger zu den Instrumenten hinzu und besangen gar viele Themen der Zeit: Humorvoll, manchmal bissig boshaft: — so sagen sie selbst — in jedem Fall hintergründig, den Spiegel vorhaltend. Ob die Einkaufstour am langen Samstag, den Autofetischismus, das bestellte Gen-Baby, das Disco-Gebaren, das Anspruchsdenken — kaum ein Thema oder eine Berufsgruppe lassen sie aus. Lediglich einzelne Personen besingen sie nicht, wollen sie nicht mit Häme überziehen. Die Kairos-Gäste verstanden ihre Botschaften, hatten ihre Freude an der vielseitigen Musik, an den guten Texten und - das ist das einmalige - konnten an diesem Abend die Künstler ganz offiziell befragen. Daher erfuhren sie, wie Andreas Döberl zum Singen kam: „Der Humor und das Singen waren bei uns zuhause ganz groß geschrieben“. Die Schule führte ihn mit Rainer Hasinger zusammen und die beiden entdeckten ihre beiderseitige Freude an der Musik und an der handwerklich guten Sprache, wohl auch ihr großes Talent, ihren gleichen Humor: „Das War auch ein Kairos, dass wir uns getroffen haben und dass daraus eine Freundschaft gewachsen ist. Wir verstehen uns fast blind, wir können uns ganz schnell austauschen.“ Daher entstehen laufend Lieder, obwohl Andreas Döberl in Burghausen und Rainer Hasinger in Regensburg wohnt. Seit 23 Jahren machen sie gemeinsam Musik, zuerst nachgespielte‚ dann kam bald das Bedürfnis eigene Lieder zu machen und damit die Möglichkeit, eine eigene Botschaft zu Themen der Zeit zu sagen. Sie bezeichnen sich selbst als Sänger, Spieler, Musiker und Kabarettisten, die in den Liedern Werte verpacken und ihre Überzeugung rüberbringen wollen an Menschen, die Freude haben an den Liedern und die gerne lachen.
Hedwig Beier

2003

10.11.2003
DK Josef Werkstetter
Domkapitular, Pfarrer in Bad Füssing
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Thema: Ein Leben in der Kirche

Pfarrer Josef Werkstetter beim 31. Kairos
„Wenn ich schwach bin bin ich stark“

Burghausen (heb) Beinahe wären die Stühle ausgegangen, so viele Menschen kamen zum 31. Kairos ins Haus der Begegnung „Heilig Geist, der den Abschluss der 10 jährigen Geburtstagsfeier bildete. Sie kommen, obwohl sie nicht wissen, wer der „Kairos-Gast“ ist. Diesmal war es Josef Werkstetter, ein gebürtiger Reischacher, der 9 Jahre in „Heilig Geist“ verbracht hat, als es noch Seminar St. Altmann war. Er sei damals im Jahre 1959 eingetreten ohne den ausdrücklichen Wunsch Priester zu werden, 4 Jahre später bei Exerzitien war er dann „Feuer und Flamme“ für die Botschaft der Liebe: „Priester wollte ich dann werden, Seelsorger, aber die Zölibatsfrage hat mich gefuchst.“ Zwei Vorbilder — späterer Bischof Franz Xaver Eder und Pfarrer Lorenz Rauschecker gaben mit ihrem Priester-Sein Kraft zu Werkstetters Entscheidung. Nach einer Kaplansstelle in Vilshofen rief ihn der Bischof überraschend als Krankenhausseelsorger nach Burghausen. Von dieser Herausforderung erzählt Werkstetter ganz erfüllt: „Sie werden in Situationen gerufen, in denen sich niemand mehr raussieht. Ich lernte es Ruhe zu bewahren, den Mund zu halten, wo es nichts zu sagen gibt, aushalten, Leid teilen, dasein — biblisch heißt es: Wenn ich schwach bin, bin ich stark. Denn Trösten passiert nicht, wenn ich vom Trost rede, sondern ich muß die Hoffnung in mir haben. Das ist zu spüren, wenn ich selbst bete, wenn ich eine lebendige Gottesbeziehung habe.“ Nach 13 Jahren Klinikseelsorge kam wieder ein Ruf des Bischofs zum Regens im Priesterseminar. Der Weg vom Begleiter der Menschen im Krankenhaus zum Leiter des Seminars war die neue Herausforderung. Der Bischof gab ihm einen Rat: „So freundlich wie möglich — so bestimmt wie nötig!“ Und Werkstetter lernte es, die jungen Menschen mit der Wahrheit zu konfrontieren, denn „wenn ich ihnen ihre Schwächen nicht sage, dann bleibe ich ihnen schuldig, dass sie sich entwickeln.“ Und jetzt hat er gerade wieder einen Neuanfang hinter sich: Seit Herbst ist er Pfarrer von Bad Füssing mit dem Auftrag der Kurseelsorge. Im anschließenden Gespräch nach seinen Kraftquellen gefragt, antwortet er: „Je mehr Arbeit und Herausforderung, desto mehr geistlicher Tiefgang, desto mehr geistliche Übung.“
Hedwig Beier
12.05.2003
Thomas Schwaiger
Leiter Hospizpastoral, Kath. Aids-Seelsorge München
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Thema: Aids

Aidspfarrer Thomas Schwaiger beim 30. Kairos
Warum wünscht mir niemand einen guten Tod?

Burghausen (heb) Zum 30. Mal kamen Menschen nach „Heilig Geist“, um sich von einem zunächst unbekannten Zeugen der Zeit zu einem Thema der Zeit überraschen zu lassen. Thomas Schwaiger, Pfarrer in München in der Aids- und Hospizseelsorge begann mit dem Satz: „Ich wünsche Ihnen einen guten Tod“ und zitierte damit zunächst den Patienten Klaus, der sich bei ihm darüber beklagte, warum ihm niemand einen guten Tod wünscht, sondern nur zu hören bekommt, dass es schon wieder werden wird und er den Kopf nicht hängen lassen soll. Dabei wolle er nicht mehr werden sondern sterben so gut und so schnell es geht. Darum so Pfarrer Schwaiger zu den Teilnehmern: „Ich wünsche Ihnen einen guten Tod, nicht zur Unzeit, aber wenn es soweit ist, einen guten Tod. Denn Du wirst nicht gestorben werden, sondern Du wirst sterben. Du wirst es sein, der einmal entschieden und klar einen letzten Schritt gehen und eine Hand loslassen wird.“ Ein Erlebnis aus seiner Anfangszeit in der Aidsseelsorge am Ende der 80iger Jahre bestätigte ihm, dass er beruflich auf dem richtigen Weg ist: Ein Aids-Patient weinte, weil Pfarrer Schwaiger ihm ohne Gummihandschuhe berührt hat. Schwaiger: „So habe ich mir Seelsorge vorgestellt: Menschen ohne Gummihandschuhe berühren.“ Oder ein anderer Patient bat ihn darum: „Laß uns miteinander weinen“. Daraus folgert Schwaiger: „Das könnte Kultur der Kirche sein, eine Schwäche füreinander haben und die Schwäche zeigen, miteinander fragen, wo es uns wehtut und wo wir etwas betrauern. Es ist oftmals deutlich spürbar, welchen Kampf Menschen und auch Organisationen und auch die Kirche führen, - um nicht zu zeigen, dass etwas weh tut, dass Grenzen da sind.“ Grenzen und Leben bedingen einander und über Tränen kann man wieder zu Atem kommen - so antwortete Schwaiger auf viele anschließende Fragen aus dem Teilnehmerkreis zu seiner Arbeit, zu seinen Erfahrungen und zu seiner Haltung. Sterbebegleitung heißt für ihn „Ich behüte Dich in Deinem Alleinsein“ und er hat gelernt, genau hinzuschauen und zu lassen, was da ist, dann ist es unverstanden da. Dann kann miteinander gefragt werden, was hat das zu bedeuten. Dieses Miteinanderfragen ist für Pfarrer Schwaiger wesentlich und das Hören auf den unausgesprochenen Impuls eines Sterbenden: „Laßt mich los und gebt mir Eueren Segen!“
Hedwig Beier
10.02.2003
Josef Thalhammer
Bürgermeister in Niederalteich
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Thema: Visionen und Wirklichkeit eines Bürgermeisters

Niederalteichs Bürgermeister Josef Thalhammer beim 29. Kairos
Kommunalpolitik soll beheimaten

Burghausen (lieb) Zum günstigen Augenblick (Kairos), den Haus „Heilig Geist“, Katholische Landvolkbewegung (KLB) und Katholisches Kreisbildungswerk dreimal jährlich veranstalten, War diesmal der erstmals gewählte Bürgermeister von Niederalteich als Zeuge der Zeit eingeladen. Die anfangs an ihn gestellte Frage autete: Wie kann es gelingen, alltägliche Anforderungen und Visionen zusammenzubringen? Thalhammer erzählte zunächst einige „Kairospunkte“ seines Lebens: Es ist Gnade‚ dass 1945 in einer Welt voller Leid und Trümmer Eltern wie die Seinen Ja gesagt haben zu Kindern, dass die Kirche mit einem Seminar wie dem früheren St. Altmann (jetzt „Heilig Geist“) Landkindern die Möglichkeit des Gymnasiums gegeben hat, dass nach dem Theologiestudium ein Ruf nach Brasilien ihn die Welt mit ganz anderen Augen sehen läßt. Zu seinen Kairos, hier nennt er sie Gnadenpunkte, gehört seine Frau und seine fünf Kinder, vor allem auch seine 24 jährige schwerstbehinderte Tochter, sie geben ihm Mut und Freude, so dass er keine Angst hatte in die Politik einzusteigen. Josef Thalhammer schildert exemplarisch den großen gesellschaftlichen Wandel eines niederbayerischen Dorfes in den letzten 5 Jahrzehnten und weist immer wieder auf so viel Kostbares hin, das uns selbstverständlich erscheint, beispielsweise auf die Rechtsicherheit, die bei uns gegeben ist oder dass Demokratie bei uns bis ins kleinste Gemeinwesen hinein organisiert ist und politischer Wille zum Ausdruck gebracht werden kann. „Wir haben ein Gemeindehaus, Räume, Wasser, Abwasser, es stimmt alles, wenn wir jammern, jammern wir auf hohem Niveau.“ Aber es leben immer mehr Menschen allein, daher sieht es Thalhammer als seine Aufgabe als Bürgermeister auf Beheimatung zu schauen, auf Integration von fremden und neuen Mitbürgern, Ansprechpartner sein (das kann oft die Kirche nicht mehr leisten), Gefahren zu vermeiden, auf Kommunikation und Vermittlung zu achten und auf den Interessensausgleich. Für seine innere Freiheit kommt ihm seine Brasilienerfahrung zugute: „Wenn man weiß, dass es verschiedene Blickwinkel gibt tut man sich leichter in der Beurteilung der Dinge und im Ertragen des Geschimpft-Werdens.“ Und: „Viele Kategorien unseres Denkens schmelzen für mich wie Schnee in der Sonne, wenn die schwerstbehinderte Tochter lacht, das gibt mit Kraft, sie verwandelt jeden, der sich mit ihr beschäftigt.“
Hedwig Beier

2002

04.11.2002
Pfr. Franz Gasteiger
Flughafenpfarrer
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Thema: Die Arbeit als Flughafenpfarrer

Flughafenpfarrer Franz Gasteiger war 28. Kairos-Gast
Lust machen auf Religiöses

Burghausen (heb) Diesmal wurden die vielen Menschen, die aus nahem und weitem Umkreis zum günstigen Augenblick (Kairos) ins Haus der Begegnung „Heilig Geist“ gekommen sind, von einem „Zeugen der Zeit“ überrascht, dessen Arbeitsfeld zwar ungewöhnlich aber dennoch auch alltägliches Leben ist: Franz Gasteiger ist zusammen mit einem evangelischen Kollegen für 21 000 Flughafenbeschäftigte und viele viele Durchreisende da — und das was sie bewegt zwischen Tod und Leben, zwischen Arbeit und Freizeit. Dabei ist auch nach über 10 Jahren Arbeit am Münchner Flughafen die Begeisterung deutlich zu spüren. Noch in keinem vorhergehenden Arbeitsfeld fühlte sich Gasteiger so geschätzt als Pfarrer, „nicht weil er der Repräsentant von Kirche ist, sondern weil ein Pfarrer bei den Leuten für Gott steht“. Dahinter steht für ihn das Bedürfnis der Menschen nach Religion, nach einem vertiefteren Leben, auch und gerade an einem Groß-Arbeitsplatz und einer hektischen Drehscheibe wie es ein Flughafen ist. Und so vielfältig und bunt beschreibt er auch sein Aufgabenfeld, das von Dasein, Hören, Gesprächen über Angebote in der Flughafenkapelle wie Mittagsgebet, Gottesdienste, Segnungen bis zu vielen einfachen menschlichen Diensten reicht: Menschen bitten um den Reisesegen, eine Mutter bittet um Begleitung, wenn der kranke Sohn landet, eine Angestellte sucht das Gespräch über ihre verworrenen Beziehungen… Gasteiger erfährt, dass das Religiöse mitten in einer absolut profanen Welt, die ganz andere Wertigkeiten und Zielvorgaben hat, eine Faszination und einen wichtigen Platz hat. Natürlich ist dafür die „Begegnung auf Augenhöhe“ die Grundlage und das offene Ohr für die Arbeitssituation, die Beziehungsstränge, die Sorgen mit dem Geld oder mit der Kindererziehung oder mit einer Sucht und das Dasein, wenn es um Sterben und Tod geht. Auf die Frage, die Ihm Direktor Josef Fischer mit der Anfrage für diesen Abend gestellt hafte: „Wofür stehst Du?“‚ kann der Flughafenpfarrer überzeugend antworten: Für eine am konkreten Menschen orientierte, einfühlsame Kirche, für eine menschenfreundliche und verständnisvolle Kirche und für die Erkenntnis, dass das Leben mit Religion, mit Gott besser und tiefer lebbar ist. Daher möchte er in seinem Dienst „Lust machen auf Religiöses und die Leute ermuntern zum Frommsein im guten Sinn“. Der Flughafen ist für ihn eine Welt‘ des Durchgangs und damit Symbol für die Existenz des Menschen überhaupt: „Wir haben hier keine bleibende Stätte.“
Hedwig Beier
13.05.2002
Heinrich Löwen
Witwer nach ICE-Unglück in Eschede
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Thema: ICE-Unglück Eschede: Betroffenheit und Bewältigung

Vom Eschede-Bahnunglück Betroffener beim Kairos
Trost muß von innen kommen, echt und menschlich sein

Burghausen (heb) Diesmal lebte der „Kairos-Abend“ im Haus „Heilig Geist“ vom Erzählen und von betroffenem Schweigen. Heinrich Löwen aus Vilshofen war als Zeuge der Zeit eingeladen und erzählte stockend einen Teil seines Lebens: 1971 heiratete er seine Frau, sie bekamen zwei Töchter und einen Sohn. Es stellte sich heraus, dass die zweite Tochter Wiltrud mehrfach körper- und geistigbehindert und ein totaler Pflegefall sein wird. Herr Löwen bezeichnete die Zeit, bis man es akzeptieren kann, dass diese Situation unveränderbar und nicht entwicklungsfähig ist als eine sehr schwierige Zeit. Das gesamte Familienleben hat sich darauf einzustellen und daran zu orientieren. So gab es beispielsweise 1997 erstmals einen kurzen Urlaub für das Ehepaar Löwen. 1998 entschloss sich Frau Löwen mit der gesunden Tochter Astrid zu einem gemeinsamen Urlaub an der Ostsee. Herr Löwen brachte sie zu dem Zug, der am 3. Juni bei Eschede verunglückte. Es dauerte 4 und 8 Tage bis Herr Löwen die Gewißheit über den Tod seiner Frau und seiner Tochter erhielt. Viele, viele Widerwärtigkeiten waren zu bestehen. Bei der zentralen Trauerfeier in Celle hängte Herr Löwen eine Liste aus, um die Namen der Betroffenen zu sammeln, die sonst wieder völlig vereinzelt sind. Daraus entstanden Treffen, die sehr wichtig und notwendig sind. Herr Löwen hat vielfältige Erfahrungen gemacht; es gab auch sensiblen Zuspruch von ganz fremden Menschen: „Es muß von innen kommen, echt und menschlich sein.“ Nach wie vor ist er auf der Suche, wie er sein Leben jetzt orientiert und sagt: „Es ist gut, wenn man zu tun hat, sinnvolles zu tun hat und es ist gut, eine Tochter Wiltrud zu haben, die einen braucht.“ Und: „Was machbar ist, will ich tun.“ Erst nach längerem Schweigen dankte Direktor Josef Fischer dem Zeugen der Zeit für sein Kommen: Man sagt so schnell 11 September, Erfurt oder Eschede, es ist wichtig, dass es aufgeblättert wird und man dann nicht weiß, was man sagen soll.“ Dieser Kairos ließ an einer ganz besonderen Geschichte teilhaben, seine mögliche Aussage: Habt Mut, lebt von innen her, sagt was oder haltet auch die Wortlosigkeit aus.
Hedwig Beier
04.02.2002
Renate Neckermann
Clownin
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Thema: Clownin und ihre Zeit

26. Zeugin der Zeit beim „Kairos“ ließ zunächst auf sich warten
Meine Botschaft ist die Lebensfreude

Burghausen (heb) Als Direktor Josef Fischer die vielen „Kairos- Gäste“ und die Zeugin der Zeit im Haus „Heilig Geist“ begrüßte, trat diesmal Stille ein. Erst nach motivierenden „Komm-Rufen“ kam eine Clownin mit großem Koffer die Treppe herunter und fing‘ sofort mit ausdrucksstarkem Begrüßen einzelner Gäste an. Sie bewegte sich zunächst mehr zwischen den Reihen als auf der kleinen Bühne, um Stichwörter für eine Geschichte aus den Teilnehmern herauszulocken, die sie dann erzählend spielte. Den Kontakt mit den Teilnehmern bezeichnete die dann umgezogene Renate Neckermann, „Teilzeit-Clownin“ aus Petershausen bei München, auch als das Elixier ihrer Arbeit. Sie war zufrieden mit dem Kairos-Publikum, obgleich ansonsten hauptsächlich Kinder ihre Partner sind. Während ihres Sonderpädagogik-Studiums wurde sie durch einen Clown auf die Schule für Clown, Komik und Theater in Hannover aufmerksam. Sie absolvierte dort eine 1 1/2 jährige Ausbildung und ist seitdem freiberuflich als „Teilzeit-Clownin“ tätig zu verschiedensten Anlässen. Zu ihrer Grundhaltung gehört das Herauslocken und Weiterführen von Ideen und: „Schauen können, staunen können, aus Kleinigkeiten etwas machen, vorhandenes weiterführen, alles spielen auch das Ungeschickte, dann können sich die Leute identifizieren. Clown sein heißt für mich das innere Kind pflegen. Und meine Botschaft ist die Freude, die Menschen sollen Lebensfreude spüren.“ Diese achtende und frohe Einstellung macht Renate Neckermann zu einer ungewöhnlichen aber wichtigen Zeugin der heutigen Zeit.
Hedwig Beier

2001

05.11.2001
Sidigullah Fadi
Imam und Islamwissenschaftler
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Thema: Die Welt des Islam

Burghausen (heb)
Bereits zum 25. Mal konnte Direktor Josef Fischer am vergangenen Montag, dem 05. November, im Haus der Begegnung Heilig-Geist ein interessiertes Publikum und einen vorher nicht bekannten Zeugen der Zeit begrüßen. Der Absage der ursprünglich angefragten Referentin war es zu verdanken, dass dieser Abend hochaktuell wurde. Der islamische Rechtsgelehrte Herr Fadai aus Afghanistan vermittelte Wissenswertes und Aufklärendes über seinen Glauben, den Islam, und lieferte Hintergrundinformationen über die politische Situation in seiner Heimat. Besonderes Gewicht erhielt dieser Abend durch Fadais persönliche Erfahrungen mit Krieg, Flucht und Emigration. Der Einmarsch der Roten Armee zwang ihn und seine Familie erst zur Flucht in die unwegsamen Bergregionen Afganistans und später vor dem beginnenden Wintereinbruch überschritten sie gemeinsam mit tausenden von Landsleuten die Grenze zu Pakistan. Sein Vater, ein hoher Islam-Gelehrter wurde verschleppt, seine Mutter starb in Pakistan und heute muß er täglich um seine Familienangehörigen bangen, die noch in Afghanistan leben. Er fasste den schweren Entschluß seine Heimat zu verlassen und emigrierte nach Deutschland. Nach einer neuen Existenzgründung in München sucht er den Dialog mit Menschen, um über die Inhalte seines Glaubens zu sprechen, und um so zum besseren Verständnis im Zusammenleben der verschiedenen Religionen beizutragen. Vor diesem Hintergrund beantwortete er kompetent die gestellten Fragen. Sie galten den Lehren des Isiam ebenso wie den sich daraus entwickelten Traditionen. Auf die Frage nach der Stellung der Frau im Islam, verwies er auf das hohe Ansehen, das sie besonders innerhalb ihrer Familie genießt. Den Zweifeln am Sinn des amerikanischen Vorgehens in Afghanistan stimmte er zu und meinte, dass eine Million Soldaten gebraucht würden, um alle Täler und Schluchten dieser unwegsamen Regionen zu kontrollieren. Es müssten andere Lösungen gesucht werden. Daß Religion missbraucht wird um politisches Vorgehen zu rechtfertigen, ist eine Tatsache, aber nicht nur ein Problem des Islam, wie die Zuhörer zugeben mussten. Eine der dringendsten Fragen, warum denn die Taliban-Regierung so viel Einfluß auf das Volk ausüben könne, beantwortete Faday damit, dass mittlerweile 79% der Bevölkerung Analphabeten seien, und dies von der Regierung bewusst gesteuert wird. Daß Bin Laden nicht ausgeliefert wird, sieht der Referent ganz stark auch mit der Tradition des Islam verknüpft, wonach das Gastrecht einen dominierenden Stellenwert im Islam besitzt. Umso mehr, als Bin Laden einmal an der Seite der Afghanen, unterstützt von Amerika, die russischen Armeen bekämpft hat. Die Frage, warum islamistische Fundamentalisten so viel Haß auf die westliche Welt hegen, begründete Fadai mit der wirtschaftlichen Entwicklung der betroffenen Länder. Zu oft haben eigene Interessen die Handlungsweise westlicher Mächte bestimmt. Zum Schluß dieses Abends sprach Fadai von den vielen Gemeinsamkeiten zwischen dem Islam und den christlichen Religionen. Er betonte ausdrücklich den friedlichen Kern seiner Religion und sprach sich für einen beständigen Dialog zwischen den Vertretern verschiedener Religionszugehörigkeiten aus.
Hedwig Beier
28.05.2001
Sr. Prof. Martha Zechmeister
Theologieprofessorin in Passau
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Thema: Theologie

Sr. Prof. Dr. Martha Zechmeister aus Passau beim 24. Kairos
Es gibt Fragen, da dürfen wir keine Antwort haben

Burghausen (heb) “Als Zeugin der Zeit“ folgte Sr. Martha Zechmeister, Inhaberin der Professur für Fundamentaltheologie an der Universität Passau, zum ersten Mal in ihrem Leben einer Einladung. Sie war der 24. Gast des Kairos, veranstaltet vom Haus der Begegnung, von KLB (Kath. Landvolkbewegung) und KBW (Kath. Kreisbildungswerk). In der Nähe von St. Pölten geboren, lernt sie während ihrer Gymnasialzeit die „Englischen Fräulein“ kennen, fasst 18 jährig den Wunsch in einen Missionsorden und zu den Ärmsten der Armen nach Indien zu gehen. Ihre Eltern erlauben es nicht, sozusagen als Kompromiss studierte sie Theologie und tritt bei den Maria-Ward-Schwestern ein. Noviziat, Promotion und Arbeit in Schule, mit Jugendlichen und Exerzitienbegleitung folgten. Die Frage nach dem persönlichen Lebensauftrag und dem „Ruf“ in jungen Jahren, zu den Armen zu gehen, begleitet sie bei jeder beruflichen Veränderung: „Was will Gott wirklich von meinem Leben, wie werde ich beim Jüngsten Gericht geradestehen können“. Es zeigte sich in der wissenschaftlichen Theologie zunehmend ein Weg für sie, die Begegnung mit dem großen Theologen Johann Baptist Metz wurde wegbereitend. Denn er mahnt den Gott der Leidenden und der Armen unaufhörlich an: „Man kann nicht mit dem Rücken zur Leidensgeschichte Gott anbeten.“ Für Sr. Martha beginnt das Ringen um Gott dort, wo wir uns die eigenen Gewissheiten erschüttern lassen. Daher sieht sie jetzt ihren Auftrag als Theologieprofessorin in Passau auch darin, in jungen Leuten das Fragen und die Neugierde zu wecken, das Nichteinverstanden sein mit Dingen, mit denen man nicht einverstanden sein kann. Es gibt Fragen, da dürfen wir keine Antwort haben, das wäre zynisch, sondern die Aufgabe ist, die Frage unvergesslich zu machen. Christsein heißt für Sr. Martha Mut zur Wahrhaftigkeit zu haben, damit auch schmerzliche Prozesse in Gang kommen können, nur so kann wahre Menschwerdung geschehen. Der Glaube ist ein Weg, der auch schmerzliche Reifungsschritte braucht. Christsein heißt, ein wahrhaftiger Mensch zu werden, der sich zu den unter die Räder gekommenen Menschen hinstellt, das bringt in Spannung und Konflikt, bei Jesus hat diese Spannung am Kreuz geendet. Dieser Kairos brachte Spannung und Anforderung des christlichen Glaubens ins Bewusstsein, sie sollte aber dennoch nicht mit Selbst-Überforderung beantwortet werden.
Hedwig Beier
12.02.2001
Theresia Süß
Fachberaterin für Erzieherinnen
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Thema: Erziehung

„Wenn man das Leben nimmt, wie. es kommt, dann schenkt es einem vieles“
Theresia Süß beim 23. Kairos

Burghausen (heb) Als spannend von Anfang bis Ende bezeichnete eine Teilnehmerin den Kairos, eine Veranstaltung im Haus „Heilig Geist“, zu der dreimal im Jahr das Haus „Heilig Geist“, die KLB (Katholische Landvolkbewegung) und das KBW (Katholisches Kreisbildungswerk) einladen. Erst zu Beginn wird klar, wer Zeuge oder Zeugin zu einem Thema der Zeit ist, diesmal war es Theresia Süß, Erzieherin und regionale Fachberaterin für Erzieherinnen aus Rhörnbach im Landkreis Freyung- Grafenau. Sowohl durch das Erzählen ihrer Lebensgeschichte als auch ihrer beruflichen Erfahrungen erinnerte die 53 jährige bei den vielen Anwesenden eine Zeit, in der das Leben stark von außen, von Regeln bestimmt und eng war aber dennoch den Boden bereitete, auf dem auch Krisen bestanden werden konnte. Zunächst schilderte Frau Süß ihren Kindheitsalltag als die Älteste von 9 Geschwistern auf einem kleinen Bauernhof. Frühestmöglich wurde sie mit Aufgaben, vor allem mit dem Kümmern um ihre Geschwister betraut: „Mit Puppen spielte ich nicht, ich hatte immer zwei bis drei Geschwister dabei, für deren Abendessen und Gewaschen Sein ich verantwortlich war.“ Die festen Regeln in der Familie wie Morgengebet, ein langes Tischgebet mit mehreren Vater unsern, Rosenkranz am Samstag, selbstverständlicher Kirchgang waren nicht immer beliebt, aber undiskutiert: „Es war so“. Ein evangelischer Freund wäre auf Dauer undenkbar gewesen. Dennoch bezeichnet Frau Süß diese Jahre als den Boden, der es ihr später und bis heute gut ermöglichte, ihr Leben in Freiheit zu gestalten. Es waren „Rufer“ auf ihrem Lebensweg: Ein Lehrer an der landwirtschaftlichen Berufsschule konnte ihre Eltern überzeugen, ihr die Berufsaufbauschule zu ermöglichen und so wurde der Weg zur Erzieherin frei. Und es begann für sie ein Reifeprozess des Hinterfragens und schließlich der Selbstwerdung, für den sie sehr dankbar ist und den sie ausstrahlt. Ihre erste berufliche Aufgabe war der Aufbau eines neuen Kindergartens in Neustift: „Wir haben viel gearbeitet — ohne Stundenzettel — weil uns die Leute so viel zugetraut und uns geschätzt haben.“ Nach der Heirat leitete Frau Süß den Kindergarten in Rhörnbach. Als weitere Aufgabe begleitet sie nun schon zwei Jahrzehnte den Kurs „Kirchliche Sendung“ für Erzieherinnen. In der Diözese Passau verpflichten sich Erzieherinnen mit ihrem Dienstvertrag, dass sie im Laufe der ersten Berufsjahre an dem 2 1/2 wöchigen religionspädagogischen Kurs teilnehmen. Durch die Teilnahme an einer anschließenden freiwilligen Woche erhalten sie die kirchliche Sendung, die eine Verkündigungsbefähigung und einen Verkündigungsauftrag darstellt. Denn weil religiöse Erfahrungen, das Gebet und das Erleben von Symbolen nicht mehr selbstverständlich sind, ist der Kindergarten eine wichtige Chance für Kinder und Eltern, damit in Berührung und die Gelegenheit zur Auseinandersetzung zu bekommen. „Der Kindergarten spürt heute die Sorgen und Nöte der Familie am meisten. Mit diesem Wissen gut und verantwortlich umzugehen, ist eine große Aufgabe für jede Erzieherin. Dazu tut ihr Unterstützung von Menschen aus der Pfarrei gut.“ Gegen Ende ihrer Erzählung kommt Frau Süß nochmals auf ihr Leben zu sprechen: Ein großer Einschnitt war ein schwerer Verkehrsunfall vor 8 Jahren: „Da habe ich mein Leben nochmals neu geschenkt bekommen und nochmals alles neu gelernt: Essen, Stehen… Meine Erfahrung ist es, dass einem das Leben vieles schenkt, wenn man es annimmt, wie es kommt. Und ich habe den zweiten Satz des Hauptgebotes lesen gelernt: Liebe den Nächsten wie Dich selbst. Es ist nicht Egoismus, wenn man die Stille sucht und immer Wieder auftankt.“
Hedwig Beier

2000

13.11.2000
Marlene und Karl Reidel
Künstlerpaar
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Thema: Kunst für Kinder und Erwachsene

„Es ging uns immer gut — wir haben viel Glück gehabt im Leben“
Künstlerehepaar Reidel erzählte beim Kairos aus 7 Lebensjahrzehnten

Burghausen (heb) Vorausschauend beschrieb Josef Fischer, Direktor des Hauses „Heilig Geist“ bei der Einführung in den Abend mit den unbekannten Gästen und Themen „Kairos“ auch als die Möglichkeit, das Leben insgesamt als günstige Gelegenheit zu verstehen. Er freute sich zusammen mit den beiden Mitveranstaltern Katholische Landvolkbewegung und Katholisches Kreisbildungswerk diesmal Gäste aus der Welt des Künstlerischen begrüßen zu können: Kinderbuchautorin Marlene und Bildhauer Karl Reidel aus Obergangkofen in Niederbayern. Einfach, selbstverständlich und bescheiden begannen sie aus ihrem Leben zu erzählen und betonten immer wieder, welches Glück ihnen wiederfahren ist und welche Möglichkeiten ihnen das Leben gegeben hat. Marlene Reidel, 1923 geboren, Tagelöhnerstochter, mit 6 Geschwister aufgewachsen in einer Einöde ist trotz einfachster Verhältnisse in einer Zeit der Inflation dankbar für eine schöne Kindheit und dafür, dass ein Bekannter der Familie ihr Maltalent erkannt und den Tipp gegeben hat, sich an der Akademie in München zu bewerben. Sie wurde aufgenommen, konnte studieren, durch die Kriegsjahre unterbrochen, brachte sie es nach dem Krieg noch auf drei Semester, weil sie an der Akademie ihren Mann kennenlernte und dann sechs Kinder kamen. Ihr Mann Karl Reidel bekam während seiner Bildhauerlehre ebenfalls von einem Bekannten die Anregung, sich an der Akademie zu bewerben, wurde ebenfalls genommen und studierte dort 12 Semester. Bis Kerl Reidel sein Studium beendete, hatte das Paar bereits 4 Kinder und lebte in einem Zimmer auf dem elterlichen Bauernhof. Durch günstige Umstände konnten sie dann ein Grundstück erwerben, nach und nach ein großzügiges Haus draufbauen und sich entfalten. „Wir konnten immer arbeiten und wenn es nach dem Bettgehen der Kinder war“, erzählt Frau Reidel, „und es hat sich so vieles ergeben: Ich habe den Kindern Geschichten erzählt, diese dann illustriert und meinem Mann zu Weilmachten geschenkt. Ein Bekannter hat das Heft mitgenommen und einem Verlag gezeigt.“ So wurde sie durch ihre Kinder zur erfolgreichen Kinderbuchautorin, bereits ihr erstes Buch „Kasimirs Weltreise“ bekam den Jugendbuchpreis. Herr Reidel erzählt dankbar, dass auch er immer Aufträge bekam, obgleich es auch Widerstände gab beispielsweise gegen eine in Augen der Kirchenverwaltung Fürstenstein zu moderne Altargestaltung. Die Teilnehmer fragten immer wieder nach dem Geheimnis der Zufriedenheit und des Glückes dieser beiden Menschen. Ihre Antworten klangen schlicht: „Wir sind arm aufgewachsen,was gekommen ist, war immer eine kleine Verbesserung. Wir bekamen sechs Kinder, sie und wir wurden verschont von größeren Unglücken. Wir konnten immer arbeiten und dies meistens zu Hause, was wiederum bedeutet, dass wir uns gegenseitig entlasten konnten. Und wir haben ein großes Haus und keinen Sauberkeitsfimmel- wir leben!“ Die Lebensversöhnheit der Reidels ließ die Teilnehmer nach Gott und dem Glauben im Leben der Familie Reidel fragen. Auch da kam eine vielleicht unerwartet ehrliche Antwort: „Wir haben viel geredet mit unseren Kindern über Lebensfragen und über Religionen, aber nie den Druck ausgeübt, den wir in unseren streng katholischen Elternhäusern erfahren haben. Wir haben den Kindern halt beizubringen versucht, dass sie gut sein sollen zu den Menschen und zu den Tieren. Und sie sind sozial engagiert. Wir haben ein Leben lang gehofft und vertraut und sind einfach dankbar für die Möglichkeiten, die uns gegeben wurden.“
Hedwig Beier
08.05.2000
Herbert Hofauer
Bürgermeister von Altötting
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Thema: Politik in Kommune und Pfarrei

Herbert Hofauer war der 21. Zeuge der Zeit beim KAIROS
Aus scheinbar kleinen Zufällen erwachsen große Möglichkeiten

Burghausen (heb) Schon mehrmals war bei der günstigen Gelegenheit (beim Kairos) im Mai ein Zeuge der Zeit aus dem politischen Umfeld in „Heilig Geist“ in Burghausen. Diesmal folgte der Bürgermeister von Altötting Herbert Hofauer der Bitte der Veranstalter (Heilig Geist, Kath. Landvolkbewegung und Kath. Kreisbildungswerk), von seinem Weg, von seinen Wurzeln und Quellen zu erzählen und davon, wie „das christliche und politische zusammengeht“. Hofauer konnte sich hervorragend darauf einlassen, hielt nicht eine gekonnte Rede sondern erzählte von seinen Begegnungen und wesentlichen Prägungen: Von der Großmutter, die im Hofauerischen Geschäftshaushalt eine tragende Erziehungsrolle spielte und Glauben und Kirche nicht übertrieben aber konsequent, allerdings vorkonziliar ihren beiden Enkelsöhnen einzupflanzen versuchte. Weniger im gesprochenen Wort als in gelebten Haltungen prägten die Eltern. Vom Vater konnte das Ablegen der Angst, ausgeschmiert zu werden, gelernt werden. Die Eltern haben es nicht hingenommen, dass über Andere schlecht geredet wurde, sie wurden von den Söhnen als wahrhaftige Menschen erlebt. Die nächsten prägenden Erfahrungen konnte Hofauer in der Jugendarbeit machen als Jugendgruppenleiter, in Kursen und Fahrten. So haben Fahrten nach Taize, Themen wie Ökumene und Dritte Welt - Verantwortung in den Blick gerückt. Eine Aufgabe im Kreisjugendring brachte die ersten Kontakte zur Kommunalpolitik. Zusammen mit drei anderen Jugendarbeits-Freunden und einem starken Mitgestaltungswillen wurde er dann in jungen Jahren bereits in den Stadtrat gewählt, im Pfarrgemeinderat war er schon. Im Engagement und den damit verbundenen Begegnungen ging ihm immer wieder der nächste Schritt auf. Beispielsweise erwuchsen aus einem zufälligen Dabeisein bei einer Beinamputation bei einem nicht narkotisierten Kind in Mostar einige größere Hilfsaktionen dorthin oder auch in die Ukraine und nach Rumänien. Die Begegnungen gerade in Mostar ließen zum einen erleben „das sinnvollste im bisherigen Leben getan zu haben“, ließen ihn aber auch seine pazifistische Haltung kritisch überdenken. Eine Reise nach Brasilien zum früheren Kaplan von Altötting ließ Hofauer beeindruckend selbständige Landpfarreien erleben, eine große Vielfalt von Sekten und Kirchen und das politische Engagement der Kirche, das Ineinander von Glaube und Politik, das natürlich Widerstände hervorbringt. Das wiederum ließ sich mit bereits gemachten Erfahrungen verbinden: Position beziehen bedeutet Anecken und Konsequenzen tragen, hielt ihn aber nicht davon ab. Keine Minute hat es Hofauer bisher bereut, sich um die Aufgabe des Bürgermeisters bemüht zu haben, sie beschert viele schöne aber auch manche schwere Stunde. Für Hofauer reicht es nicht, für den Glauben und die daraus erwachsene Geborgenheit dankbar zu sein, sondern für ihn ist es wichtig, die persönlichen Konsequenzen daraus zu ziehen: „Der Glaube macht mir deutlich, wo ich mich zu engagieren habe und wo nicht. Meine Überzeugung ist, dass das Leben keine Aneinanderreihung von Zufällen ist, sondern dass es da eine Führung gibt, eine Hand, in die ich eingeschrieben bin. Das schenkt eine gewisse Sorglosigkeit, verhindert Angst und fördert Vertrauen.“ Und so konnte er auch mit der Wahlniederlage als Landratskandidat umgehen, er wusste für sich: „Wenn es nichts wird, ist es nicht Dein Weg.“ Beim Blick auf sein bisheriges Leben kann er sehen, dass sowohl aus aktivem Einsatz als auch aus Misserfolg neue Möglichkeiten gewachsen sind, dass ihn Menschen weitergebracht haben manchmal durch ihre Hilfe und manchmal dadurch, dass sie ihre Hilfe versagt haben. Aus scheinbar kleinen Zufällen sind schon öfters große Möglichkeiten entstanden. Das anschließende Gespräch zeigte, wie die Zuhörer ihr Leben und ihre Lebensfragen bedenken konnten durch die persönlichen Erzählungen dieses Kairos-Gastes.
Hedwig Beier
14.02.2000
Dr. Josef Rehrl
Leiter der Landvolkshochschule Niederalteich
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Thema: Werte in Politik und Gesellschaft

20. Kahns zum Thema: Werte in der Politik
Dr. Rehrl: Es wächst Parteienverdrossenheit oder Gestaltungskraft

Burghausen (heb) Die täglich neuen Stichworte und Namen in den Nachrichten gaben das Thema vor für den 20. Kairos, zu dem das Haus „Heilig Geist“, KLB und Katholisches Kreisbildungswerk diesmal den Leiter der Landvolkshochschule Niederalteich Dr. Josef Rehrl eingeladen hatten. Er sei ein Zeuge, so die Einladenden, der mit seiner Person für das steht, was momentan in der Politik ins Wanken geraten ist: Für Werte und für langfristiges Denken. Die von ihm vertretenen Werte und für die Bewusstseinsbildung angestrebten Ziele schienen bereits deutlich durch, als er den Auftrag der Landvolkshochschule darstellte: Die Mitgestaltung der Kirche ist Dr. Rehrl ein Anliegen, damit die Kirche, ihre Botschaft und ihre Werte interessant bleiben. Da sieht es Dr. Rehrl als unabdingbar an, dass Laien Verantwortung übernehmen, dazu werden sie in Niederalteich ermutigt und auch befähigt. Ähnliches gilt für die Entwicklung der Dörfer und den Erhalt der ländlichen Kultur. Die Politik gibt Freiraum dafür, dass Menschen ihr Dorf gestalten und entwickeln können. Diesen gilt es zu nutzen, denn in überschaubaren Strukturen kommen die sozialen Bedürfnisse der Menschen stärker zur Erfüllung als in der globalisierten Welt. Auch im Bereich Landwirtschaft setzt sich die KLVHS dafür ein, dass diese bäuerlich geprägt und damit menschen- und naturnah bleibt. Hintergrund für diese angestrebten Ziele sind gesellschaftliche Analysen: Dr. Rehrl bezeichnet es als die krankmachenden Faktoren, dass wir immer „mehr haben müssen“, dass trotz materieller Fülle die Grundsehnsüchte nach Nähe und Liebe nicht gestillt werden. Oder auch dass durch das Fernsehen täglich ein Unmaß an Kriminalität und an Erotik, Banalitäten im Überfluss und ein grenzenloser Kommerz auf viele Menschen einströmt. In Niederalteich wurden als mögliche Lösungsansätze die sogenannten LHA-Werte entwickelt‘ Das Leben wichtiger nehmen als die Produktion, die Immateriellen Werte haben Vorrang vor den materiellen Werten, das Langfristige Denken dem kurzfristigen vorziehen und Alternative Sanftheit, was einen liebenswürdigen Umgang mit allem was lebt, bedeutet. Auf die derzeitige politische Diskussion angesprochen stellt Dr. Rehrl die AGENDA-Prozesse in den einzelnen Gemeinden der Parteienarbeit gegenüber: Ungefähr 2 % der Bevölkerung gestalten in Fraktions- und Parteigremien Politik und geben die erarbeiteten Lösungen und Ergebnisse dann ‚nach unten“; Bei AGENDA- Prozessen wird der umgekehrte Weg versucht. Auf die Folgen der momentan aufgedeckten Fehler in der Politik und das Umgehen damit, angesprochen, kann sich Josef Rehrl, der in jeder Krise auch die Möglichkeit zur Chance sieht, zwei ganz verschiedene Richtungen vorstellen: Entweder die Parteienverdrossenheit nimmt enorm zu oder die politisch interessierten Menschen finden die Kraft zum Anpacken, zum In Ordnung bringen, zur Neugestaltung. Das, so zeigte die anschließende Diskussion, wäre eine Hoffnung vieler.
Hedwig Beier

1999

08.11.1999
Konrad Bürgermeister
Schulamtdirektor im Kirchendienst
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Thema: Schule heute

Schulamtdirektor im Kirchendienst beim letzten Kairos
Das Ohr am Herzen der Schüler haben

Burghausen (hab) Der Jahrestag des Mauerfalls am 9. November mit den damit einhergehenden Veränderungen diente den Veranstaltern des Kairos (Haus der Begegnung „Heilig Geist“, KLB und KBW) als Anlass, einen Lehrer einzuladen. Konrad Bürgermeister aus Passau, Volksschullehrer und Theologe und jetzt zuständig in der Diözese Passau für die Aus- und Fortbildung aller, die Religionsunterricht erteilen, schilderte sehr anschaulich die Situation: Der Religionsunterricht genießt eine hohe Akzeptanz bei den Eltern aber eine mindere Akzeptanz bei den Schülern. Mit diesen unterschiedlichen Erwartungen umzugehen, kann für manche Lehrer sehr enttäuschend sein: „Wenn man schaut, was rauskommt, ist’s umsonst“, so zitierte Bürgermeister einen unterrichtenden Pfarrer. Messbar sind die Erfolge nicht, daher ist es ein sehr demütiger Dienst, ein „Saatkorn-Dienst“, der mit den gegebenen Bedingungen zu arbeiten hat. Zu diesen zählt Bürgermeister den Individualismus, („Ich bin wer, ich gelte etwas, ich schaue, was mir gut tut“), die Vielfalt der Meinungen und Lebensmuster und das geänderte Kirchenverständnis. Gradmesser für den Erfolg des Religionsunterrichts darf nicht die Kirchenbesucherzahl sein! Sondern Ziel des Religionsunterrichts ist der Schüler mit seinen Fragen und Problemen und Bürgermeister kann rückblickend sagen, dass der Religionsunterricht mit seinem Konzept noch nie so nah am Schüler war wie heute. Die Religionslehrer haben das Ohr am Herzen der Schüler und ihr Ziel ist es, leben zu helfen. Da es dafür aber keine messbaren Kriterien gibt, ist der Religionsunterricht ein bedingungsloser, selbstloser Dienst der Kirche und der Lehrerinnen und Lehrer, um Menschen zu gelingendem Leben zu begleiten und in den Kindern das Vertrauen zu fördern, dass sie in ihrem Leben mit Gott rechnen können. Es wird weder indoktriniert noch doziert, sondern der Lehrer erzählt Erfahrungen der Menschen, läßt den Erfahrungen und Fragen der Kinder Raum, ohne fertige Antworten parat zu haben. Der Religionsunterricht ist eine Riesenchance, das Wesentliche sind nicht die Inhalte, sondern die glaubwürdigen Lehrerinnen und Lehrer, zu denen Kinder eine Beziehung aufbauen können. Da der Religionsunterricht auf die ständig sich verändernde Zeit zu antworten hat, verändert er sich ständig und mit den Mitteln, Zielen und Inhalten der '70iger Jahre kann heute nicht mehr hineingegangen und auch nicht gemessen werden. Die optimistische und dennoch klare, die Situation nicht beschönigende Haltung des Schulamtsdirektors i. K. hatte eine lebhafte Diskussion zur Folge, in der mehrere Kairosteilnehmer die Wirkungen ihres Religionsunterrichtes in späterer Lebenszeit beschrieben und erzählten, was geblieben ist: „Geblieben ist, dass Gott über allem ist“. „Religion und Kirche war etwas, da musst was, da darfst was nicht“. „Früher hat der Religionsunterricht mit Angst und Leistung gearbeitet: Diese Bedrohung zu durchbrechen ist im Sinne unseres Gottes. Viele junge Menschen erleben Gott als einen, gegen den man sich das Leben erkämpfen muss. Das ist aber nicht der Vater unseres Herrn Jesus Christus. Er ist ein Freund des Lebens in Fülle.“
Hedwig Beier
03.05.1999
Franziska Jägerstetter (und Landvolktheater Halsbach)
Witwe von Franz Jägerstetter
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Thema: Das Leben von Franz Jägerstetter

Das Schweigen zum Krieg in uns selber brechen
Der Zeuge der Zeit hatte diesmal eine geliehene Stimme

Burghausen (heb) Das Thema der Zeit drängte sich in diesen Kriegswochen den Veranstaltern (Haus der Begegnung, Kath. Landvolkbewegung, Kath. Kreisbildungswerk) des Kairos in „Heilig Geist“ nahezu auf; dem Zeugen der Zeit musste diesmal Ausdruck und Stimme verliehen werden: Franz Jägerstetter aus dem nahen St. Radegund verweigerte 1943 die Einberufung zur Wehrmacht und wurde 5 Monate später im August 1943 in Berlin enthauptet. Er hinterließ eine Frau und drei kleine Kinder. Martin Winklbauer, Luise und Wolfgang Antwerpen gaben zunächst in zwei Szenen aus dem „Vermächtnis“, das Martin Winklbauer vor 10 Jahren geschrieben hat, Einblick in das Leben des jungen Bauern und Vaters aus Oberösterreich, der in der wirren Zeit des 2. Weltkrieges seinem Gewissen folgen „musste“ und seinen eigenen Weg ging entgegen aller Ratschläge und Einflüsse aus seiner Umgebung. Bereits die beiden kurzen Szenen vergegenwärtigten den Druck, die Angst und die schwierige Suche nach dem richtigen Weg in wirrer Zeit; gänzlich authentisch wurde der Abend durch die Anwesenheit von Franziska Jägerstetter, der 87-jährigen Witwe Hingerichteten. Viele Fragen nach ihren Empfindungen in und nach der Entscheidungszeit wurden ihr gestellt. Dazwischen immer wieder betroffenes Schweigen. Denn nur wenige Kairosteilnehmerlnnen konnten aus eigenem Erleben erzählen. Und das aktuelle Thema Krieg im Kosovo kam nur ganz behutsam zur Sprache, obwohl Direktor Josef Fischer in seiner Begrüßung diesen Abend als Möglichkeit bezeichnet hat, das Schweigen zum Krieg in uns selbst zu brechen. Vermutlich ging es vielen ähnlich wie der Schreiberin dieses Artikels: Der dargestellte Dialog — obwohl er seit 10 Jahren bekannt ist - aus dem Theater „Das Vermächtnis“ zwischen Franz und Fanny Jägerstetter bekommt in diesen gegenwärtigen Tagen eine solche Aktualität und Tiefe und Herausforderung, dass es einem nahezu die Sprache verschlägt. Deshalb sei auch hier nicht der Abend kommentiert oder berichtet, sondern Kernsätze aus diesem Dialog wiedergegeben:

Franz: I kann des Schweigen nimmre hören.
Des Schweigen zum Unrecht, zur Lüge, wenn andere schreien vor
Schmerz. Sogar unsere Seelenführer schweigen. Des Schweigen
des Wissenden ist schlimmer als des Mittun des Unwissenden.
Mia stell ma uns blind. Mia hamma uns zu Marionetten macha
lassn. Wir wird’n die Erde gwinna und de Hoamat verliern.

Fanny: Aber, der Kriag geht vorbei und nochan wird wieder Friedn.

Franz: Da Krieg is a schlechter Acker fürn Frieden. Wenn ma erst amoi
glernt hat, Feinde zum hobn und andere zu hassen — dann
brauchts viel, bis ma wieder taugt fürn Fried’n.

Fanny: Aber, warum du? Nenn mir einen, der so denkt wie du!

Franz: Werden viele so denken wie ich. Aber dann ist die Angst vor de
Leut — die Menschenfurcht!

Fanny: Kann denn der Dienst in der Wehrmacht so verkehrt sein? Die
andern tun’s doch auch. Hunderte, Tausende, ja a ganz Volk find‘
koan Grund sich aufzulehnen.

Franz: Was die Masse schreit, muaß noch lang nicht richtig sein. Und
wer zuviel auf d´Menschen hört, überhört sei eigene Stimm. —
Die da drinn‘.
Wenn i nimmer wahrhaben will, was Unrecht is. Wenn wir uns
einreden, daß des Recht is, was jetzt ‘passiert. Wer des Gefühl
fürs Unrecht verliert, verlierts auch fürs Recht!

Fanny: Aber du kannst doch die Zeit ned aufhalt’n, du kannst doch die
Zeit ned bessa macha, du kannst es doch ned ändern.

Franz: Aber des gibt mir no lang ned des Recht mitzuhelfen am
Verbreiten von Elend. Wir dürfen uns nicht verstecken hinter
Ausreden — „Mia könntn sowieso nicht’s macha“. Es is unsere
Zeit, für die wir Verantwortung tragen.
I kann den Weg ned gehen!
Verstehst du mich, Fanny? Du bist vielleicht der einzige Mensch,
der mich verstehen kann. Hab nie geglaubt, daß i einmal so
einsam sein wird. Verstehst du mi?

Fanny: Verstehn? — Begreifen? Aber wos des heißt!
08.02.1999
Lorenz Rauschecker
Landvolkseelsorger
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Thema: Kirchenentwicklung

1998

09.10.1998
Alois Glück
Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen
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Thema: Politik
11.05.1998
Hubert Schöne
Vorstandsvorsitzender GKP
Info
Thema: Medienarbeit/Pfarrgemeinderat
09.02.1998
Margit Weiden
Beraterin für Frauen in Konfliktsituationen
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Thema: Schwangerschaftsberatung

1997

03.11.1997
Walter Hutterer
Seelsorger im Kinderzentrum München
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Thema: Arbeit mit behinderten Kindren
12.05.1997
Didymus Hasenkopf
Unternehmer
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Thema: Arbeit und Arbeitsmodelle
03.02.1997
Dr. Olivia Wiebel-Fanderl
Akademische Rätin am Lehrstuhl für Volkskunde in Passau
Info
Thema: Lebensgeschichten von Menschen mit verpflanztem Herzen

1996

04.11.1996
Bruder Martin
Nürnberger Franziskaner, Straßenambulanz
Info
Thema: Arbeit mit Obdachlosen und Punkern
20.05.1996
Gotthard Dobmeier
Umweltbeauftragter der Erzdiözese München und Freising
Info
Thema: Aufgaben des Umweltbeauftragten
05.02.1996
Prof. Paul Michael Zulehner
Professor für Pastoraltheologie an der Universität Wien
Info
Thema: Pastoral in Europa

1995

06.11.1995
Sr. Renata Hampl
Äbtissin im Passauer Kloster Niedernburg
Info
Thema: Erfahrungen mit der Kirche in Sibirien
29.05.1995
Pfr. Heinrich Haug
Pfarrer in Haiming
Info
Thema: Erfahrungen in der NS-Zeit
13.02.1995
Kathi Stimmer-Salzeder
Verlegerin religiöser Musik
Info
Thema: Ihre Texte, ihre Lieder

1994

07.11.1994
Anne Karl-Rott
Pflegedienstleiterin
Info
Thema: Menschenwürdiges Sterben
06.06.1994
Dr. Franz Xaver Eder
Bischof von Passau
Info
Thema: Fragen zu Glaube und Kirche
07.02.1994
Matthias Kunz
Gentechniker
Info
Thema: Gentechnologie

1993

22.11.1993
Sr. Camen Irrgang u. Bruder Kleophas
Ordensleute
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Thema: Orden und ihre geistlichen Wurzeln in Burghausen